Cartoonband aus Fleisch und Blut - Gorillaz in concert07.11.2005 09:11 Manchester - Comic-Helden wirken oft blutleer, den zweidimensionalen Charakteren fehlt häufig Tiefe. Nicht so bei den Gorillaz. Die britische Cartoonband, vor vier Jahren gegründet von Blur-Frontmann Damon Albarn, hat sich mit einer einzigartigen Konzertreihe in Manchester in der abgelaufenen Woche vom 2-D- Musikwunder zur mitreißenden Vollblut-Truppe entwickelt.
Mit Top-Gaststars, einem Streicherensemble und gleich zwei Chören sowie gekonnten Lichteffekten und beeindruckenden Comic-Videos haben die Gorillaz von Dienstag bis Samstag audio-visuell perfekt choreografierte Musikshows abgeliefert. Anders als bei früheren Live- Shows oder dem spektakulären holografischen Gorillaz-Auftritt bei den MTV-Awards am Donnerstag in Lissabon standen diesmal Menschen im Vordergrund - die vier Comic-Charaktere 2D (Albarn) und Murdoc (Zeichner James Hewlett) sowie Russel und Noodle spielten nur auf der Leinwand über der Bühne und als menschengroße Puppen im Opernbalkon eine Rolle. Die Live-Präsentation des Gorillaz-Albums «Demon Days» bestach durch die musikalische Vielfalt und die Eleganz, mit der Albarn scheinbar Unvereinbares zusammenbringt. Er mixt auf dem Erfolgsalbum, das weltweit über 4 Millionen Mal verkauft wurde, HipHop mit Streicherklängen, vereint heftige Dub-Beats und sanfte Pianotöne, lässt Rapper neben Kinderchören singen. Und alles hat einen unwiderstehlichen Beat, eine treibende Kraft, ist funky, mitreißend und cool zugleich. Zudem zieht sich ein roter Faden quer durch das Album, das man wohl so etwas wie ein Konzeptalbum nennen kann - nach dieser stimmigen Live-Umsetzung allemal. Größen des Pop wie Neneh Cherry, US-Rapformation De La Soul («Feel Good Inc») oder Ike Turner haben an der zweiten Gorillaz-Platte mitgewirkt und standen auch im Opernhaus von Manchester auf der Bühne - zum Jubel der je 2000 Fans, die jedes Konzert bis zum letzten Platz füllten. Die Stars, darunter auch Happy-Mondays-Sänger Shaun Ryder («Dare»), ordneten sich ganz dem Projekt unter, sangen jeweils ihre Song - das war's. Eindringlich unterstützt wurden diese Performances von den Comic- Bildern und -Filmen des visuellen Gorillaz-Schöpfers James Hewlett. Der Erfinder der Comic-Heldin «Tank Girl» packt die «Demon Days»- Vision der Gorillaz in dunkle, verstörende Bilder einer kaputten Welt, teilweise unterstützt von düsterem Sound, teilweise gebrochen durch groovige Rhythmen und Chorgesänge. Albarn selbst, der Britpop-Veteran der 90er, hält sich extrem zurück, sitzt halb hinter den Streichern versteckt am Piano und ist mit seiner unverkennbaren, leicht knödelnden Stimme doch omnipräsent. Es sind natürlich in erster Linie Musikkonzerte, die die Gorillaz hier zelebrierten, aber auch Entertainmentshows, ja sogar so etwas wie Kunstperformances. Eine einmalige Konzertreihe, wie die Gorillaz immer wieder betonten. Etwa 2007 wollen sie dann als animierte 3-D- Band auf Welttour gehen, mit mehr Technik und dem neuesten an visuellen Tricks, was die (Film)Industrie bieten kann. Doch die fünf «Demon Days» in Manchester werden trotzdem noch lange in Erinnerung bleiben. |
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