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musiknews  
 

Die Teenie-Band Tokio Hotel stürmte 2005 die Charts


03.01.2006 13:01

Magdeburg - Sie gilt als die deutsche Newcomer-Band 2005 - und wird unter dem Motto «Aufsteiger des Jahres» manchmal sogar in einem Atemzug mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Papst Benedikt XVI. genannt: Die Magdeburger Teenie-Band Tokio Hotel.


Tokio Hotel

Tom Kaulitz (l-r), Bill Kaulitz, Gustav Schäfer und Georg Listing mit ihrer Platin-Auszeichnung für das Album "Schrei".

Der Vergleich der vier Jungs mit Berlin und Rom scheint etwas vermessen, doch immerhin schaffte es Tokio Hotel in diesem Sommer auf Anhieb an die Spitze der deutschen Charts. Die Band spielt regelmäßig in ausverkauften Hallen und wird mit Preisen überhäuft, zuletzt gab es den begehrten «Bambi». Tokio Hotel - Start einer großen Musiker- Karriere oder «nur» ein Phänomen auf Zeit?

«Für uns ging alles unglaublich schnell, die Ereignisse überschlugen sich», sagt Gitarrist Tom (16) im Interview am Telefon. Er ist der Zwillingsbruder von Sänger und «Frontmann» Bill und manchmal hat man den Eindruck, er kann den Rummel selbst kaum fassen. «Das Jahr ist für uns echt krass gewesen», sagt er. Andererseits aber merkt man ihm die inzwischen mehrmonatige Interview-Übung durchaus an. «Für uns ist das natürlich alles auch schwer zu verarbeiten», sagt er etwa. Oder: «So weit, wie das jetzt alles geht, so weit gingen unsere Träume gar nicht.»

Bill mit seiner pechschwarzen Stachelfrisur, Tom mit seinen blonden Dreadlocks, Bassist Georg (18) und Schlagzeuger Gustav (17) scheinen mit ihrem Energie geladenen Rocksound jedenfalls den Nerv ihrer Generation getroffen zu haben: Sie singen vom Erwachsenwerden, von der ersten Liebe und von den alltäglichen Problemen junger Menschen ihres Alters. «Du stehst auf und kriegst gesagt, wohin du gehen sollst. Wenn du da bist, hörst du auch noch, was du denken sollst», heißt es etwa in dem Song «Schrei».

Angefangen hat alles mit der Debüt-Single «Durch den Monsun», mit der die Band auf Anhieb die Charts stürmte. Seither ziert die Gruppe die Titelseiten von Jugendmagazinen und wird bei Konzerten von kreischenden jungen Mädchen wild gefeiert. «Solche Begeisterungsstürme gab es bei den Beatles schon, und das wird auch in hundert Jahren noch so sein», erklärt der Bielefelder Psychologie- Professor Rainer Dollase die Hysterie der Fans. Musik wirke in der Pubertät besonders begeisternd. «Das ist ein normales Jugendphänomen, eine Pubertätserscheinung.»

Tokio Hotel ist auch nicht die erste Band, die derart umjubelt wird. Die «New Kids on the Block» und «Take That» sind noch in Erinnerung, und auch in TV-Shows gecastete Bands wie die «No Angels» oder «BroSis», die sich allerdings stets dem Vorwurf gegenüber sahen, Kunstprodukte der Musikindustrie zu sein. Um solche Gedankenspiele bei Tokio Hotel von vornherein zu unterbinden, betont Tom: «Uns gibt es jetzt schon seit fünf Jahren, wir haben schon viel mitgemacht.»

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder auch Negativ- Schlagzeilen über die vier Jugendlichen: In einem Luxus-Hotel sollen sie randaliert, auf einer Party hochprozentigen Alkohol getrunken haben. Sogar die Homepage des Musiksenders MTV mutmaßte: «Wächst den Magdeburger Teenie-Schwärmen der Erfolg schon jetzt über den Kopf?» «Wir sind halt so, wie wir sind», sagt Tom. «Wir genießen die Zeit.» Gute Vorsätze für die nächsten Jahre hätten sie nicht - außer, dass sie alle irgendwann ihr Abitur machen wollten.

 
 
Links zum Thema
Künstler-Informationen zu "Tokio Hotel"
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