Jazz-Trompeter Beckerhoff sieht deutschen Jazz auf hohem Level25.03.2006 15:03 Bremen - Der Jazz-Trompeter und Essener Musikprofessor Ulrich Beckerhoff sieht den Jazz aus Deutschland auf hohem internationalen Niveau. Allerdings seien die Musiker im Ausland wenig bekannt, sagte Beckerhoff der dpa in Bremen. Dort läuft noch bis Sonntag die erste internationale Jazz-Messe «jazzahead».
Frage: Wo steht der deutsche Jazz im internationalen Vergleich? Beckerhoff: «Der deutsche Jazz ist wahnsinnig gut aufgestellt. Wir haben junge Musiker und Bands, die auf ganz hohem internationalem Level spielen. Der deutsche Jazz in seinen besten Erscheinungen ist Weltspitze. Das Komische ist, und das hat andere Gründe, dass er in Deutschland selber nicht unbedingt so viel Publikum zieht. Das versuchen wir zu verändern. Aber wir haben 16 Hochschulen, an denen man Jazz studieren kann, wir haben die meisten Veranstalter und Festivals und die ganzen Rundfunkanstalten, die viel Jazz ausstrahlen. Die Ausbildung stimmt. Sie stimmt nur da nicht, wo sie an die Grenzen des föderalen System stößt. Kultur ist Länderhoheit, und das macht es sehr schwer.» Frage: Warum sind deutsche Bands im Ausland nicht gefragt? Beckerhoff: «Sie sind dort nicht bekannt, sie kommen nicht ins Ausland. Es gibt einzelne Musiker, aber diese spielen in internationalen Bands. Das hat mit dem Förderungsprinzip zu tun: Wenn die Bands niemand kennt, dann werden sie auch nicht engagiert. Der deutsche Jazz - oder besser: Jazz aus Deutschland - muss dort erst einmal bekannt gemacht werden. Es gibt eine professionelle Szene in Deutschland, die sehr groß ist, die meisten leben davon. Viele leben aber von einer Art Mischfinanzierung, mit Musikunterricht oder Ähnlichem. Die Erträge in Deutschland sind mit populären Musikern wie Nena nicht vergleichbar, da kommt Jazz nicht heran. Es gibt ganz, ganz wenige internationale Künstler mit hohen Verkaufzahlen, wie Keith Jarrett oder Jan Gabarek.» Frage: Warum wird man Jazz-Musiker, wie kamen Sie zum Jazz? Beckerhoff: «Sie müssen verrückt sein, wenn Sie Künstler werden wollen oder sind. Sie können das nicht werden wollen, sondern das ist man in seinen Absichten - auch, wenn Sie noch nicht wissen, wie diese genau aussehen. Ich habe mit 14 angefangen, Trompete zu spielen. Mit 21 habe ich aufgehört, Jura zu studieren, und dann fragt man sich: Was macht man denn jetzt? Es war eine Bauchentscheidung, ich habe gesagt, damit möchte ich meinen Lebensunterhalt bestreiten. Und ich würde es heute wieder ganz genauso machen.» |
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