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Jamie Foxx erobert mit «Unpredictable» die Charts


23.04.2006 12:04

London - «Mister Foxx hat eine Bitte», sagt der Ansager. Und es geht ein Raunen aus unzähligen Mädchenstimmen durch den Londoner Nachtclub «Café de Paris» am Piccadilly Circus.


Jamie Foxx

Jamie Foxx bei einem Auftritt im Londoner Nachtclub "Café de Paris".

Einige Damen wissen, was jetzt kommt. «Mister Foxx bittet darum, dass in den ersten Reihen nur Ladies stehen.» Zwei Minuten später sind die Herren der Schöpfung vom Bühnenrand verdrängt und Jamie Foxx, der neueste und derzeit wohl auch erotischste Star am R&B-Himmel, ist umringt von Londoner Mädels.

«Oh, ja», haucht der 38-jährige Afro-Amerikaner ins Mikrofon «Jetzt kann die Show beginnen.» Foxx Stimme wird zum Flüstern und schwillt dann an, wird fast ein Opernträllern und dann wieder sanft und männlich rau zugleich. «Love Changes», singt er, den schwülen Opener seiner neuen CD «Unpredictable», die in Amerika sofort auf Platz Eins der Billboard Charts schoss und nun ) auch in Europa zu haben ist.

Der schwarze Sänger mit der Athletenfigur, der gern in Anflügen von Selbstironie mit dem Image des Supermachos spielt, holt die Damen auf die Bühne. Eine nach der anderen, dreht sie wie Püppchen vor sich, nimmt sie in die Arme und singt, scheinbar nur für sie, fast wie ein verliebter Spanier.

Die Show kommt an. «Oh, bist Du schön, mein schokoladenbraunes Mädchen!» Und die Herren, die Vertriebenen, nehmen es nicht mal übel, schauen höchstens etwas tiefer ins Champagnerglas - und warten, dass die Freundin wiederkommt. Jamie, der Charmeur, hat es wieder geschafft.

Er ist auf einem neuen Höhepunkt des Ruhms angekommen. Er fühlt sich «bombastisch». Er ist souverän. Er hat erreicht, was vor ihm nur drei Menschen gelungen ist: Frank Sinatra, Bing Crosby und Barbra Streisand. Jamie Foxx, dieser Bursche aus dem texanischen Nest Terrell, geboren am 13. Dezember 1967 unter dem Namen Eric Bishop als Sohn bettelarmer Eltern, hat nicht nur einen Oscar gewonnen, sondern obendrein ein Album auf Platz Eins der US-Charts gelandet.

Ein Doppelsieg, den ihm nicht jeder zugetraut hatte und den ihm wohl auch so mancher seiner Musikerkollegen neidete. Reichte es nicht, dass er als Ray-Charles-Darsteller im Hollywoodfilm «Ray» so toll ankam, genügt ihm nicht, dass er dafür mit dem höchsten Preis der US-Filmakademie belohnt wurde?

Foxx, der seine Karriere als Stand-Up-Komiker begann, wollte sich auch als Musiker bewähren. Erst recht, nachdem er so erfolgreich die Rolle des «Genius of Soul» und «King of R&B» gespielt hatte. «Was ich anderen Burschen voraus habe», sagte der Sänger-Schauspieler mit ungetrübtem Selbstbewusstsein der «Times», «ist ganz klar: Ich bin kreativer als als sie.»

Er ging von Hollywood an den Broadway in New York und übernahm eine Rolle in dem Musical «Dreamgirl». Auf der Bühne überzeugte er rasch die letzten Zweifler unter seinen Kollegen: Der Mann kann auch ohne Studiotechnik live vor Publikum singen. «Ich bin eben ein Entertainer», sagt Foxx. «So ein Typ, der alles probieren und alles machen muss.»

Und wie merkt er, ob er etwas richtig macht? «Ray Charles hat mir einen Rat gegeben: "Wenn es richtig ist, fühlst Du es".» Foxx fühlt es es und das Publikum auch. Mit «Unpredictable» gelang ihm ein Album, das wunderbare R&B-Schwingungen bietet und unterschwellig auch knisternde Erotik und manchmal zur Soul-Ballade ausholt, ohne kitschig zu wirken.

Auch, wenn das nicht jedermanns Sache ist, wird es in nächster Zeit nicht ganz einfach, Jamie Foxx zu überhören, erst recht, ihn zu übersehen: Im Sommer kommt er nämlich wieder ins Kino. Diesmal nicht als Sänger, sondern als Actionheld. An der Seite von Colin Farrell als Drogenfahnder Sonny Crocket spielt er in der Kino-Version der Krimiserie «Miami Vice» den Detektiv Ricardo Tubbs. Und auch da gilt sein Motto, alles «so clever wie möglich zu machen und vor nichts zurückzuschrecken».

 
 
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