Starker Blues aus Bayern: Schorsch & de Bagasch03.05.2006 16:05 Hamburg - Der Schorsch ist ehrlich. In Chicago oder New Orleans war er nie, nix Beale Street, nur Hansastraße, und Baumwolle kennt er nur von seiner Jeans. Sagt er ganz offen. Der Blues-Man aus Bavaria gibt gar nicht vor, ein Original zu sein, und gerade das macht ihn glaubwürdig. Blues aus Bayern, das ist in diesem Fall eine spannende Sache.
«sekänd händ blues» heißt sehr passend das kraftvolle Debütalbum der Münchener Band «Schorsch & de Bagasch - 16 Tracks plus Zugabe, exzellent produzierte Songs über einsame Nächte, verlorene Hoffnungen, die Sehnsucht nach dem Süden und die nicht vergehende Lust am Leben und der Musik. Mit schön lakonischen Texten im breiten Münchener Dialekt, für Nordlicher immer noch passabel verständlich. Schorsch Hampel, Sänger, Texter und Gitarrist, seit 30 Jahren im Geschäft, hat mit seiner Bagasch eine starke Truppe um sich versammelt. Mit Ferdl Eichner an der Blues Harmonica, Klaus Benz an den Keyboards, Bassist Dominik Schindlbeck und Artur Silber am Schlagzeug. Die verstehen sich, die Platte wirkt wie aus einem Guss. Auch wenn nicht alle Tracks gleich Highlights sind. Stark kommt der Titelsong daher, mit seinem Bekenntnis zu München und dem ganz normalen staubigen Alltag: «Bloß wenn in Pasing d'Sonna untageht/Kriag i mein Sekänd Händ Blues». Der Schorsch Hampel hat einiges erlebt, das spürt man besonders in melancholischen Songs wie dem todtraurigen «Bevor I geh» oder dem pathetischen 7-Minuten-Blues «Du woanst nia»: Koa Sonna am Himmel/Lauta Wolken davoa/». Klingt verdammt gut. Manchmal ist es gar nicht die Liebe, sondern nur der dumme Zufall, wie im «51er»-Bus-Blues, wo alle Illusionen hoffnungslos verfliegen. Da bleibt dann nur die Sehnsucht, einfach losfahren über die Alpen bis ans Meer, «Trommen von Afrika». Hampel ist ein genauer Beobachter, mit «Da Nachbar» gelingt ihm das überzeugende Porträt eines APO-Opas, «Dia geht's guat» ist ein böses, schnelles Stück über Drogen und Lebenslügen. Etwas Folk made in Bavaria gibt es auch, und richtig gruselig wird's unterm «Wudumond». Eine ganze Menge Leben, Liebe, Enttäuschung und Wut steckt in diesem Album, Emotionen nicht aus zweiter Hand, sondern sehr authentisch. Das bleibt hängen, den «sekänd händ blues» wird man so schnell nicht wieder los. |
|||
| |||
|
|||


