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musiknews  
 

WM-Songs stürmen die Charts


07.06.2006 11:06

Hamburg - Die Fußball-Weltmeisterschaft kommt zur falschen Zeit - zumindest für die Musikindustrie. Denn schon in einem normalen Sommer ist es eher schwer, Kunden zum Stöbern in den CD-Regalen zu bewegen. Wenn nun die WM vom 9. Juni an alles in den Schatten stellt, könnte das den Umsatz weiter drücken.


Sportfreunde Stiller

Die Sportfreunde Stiller sind im WM-Fieber.

Um das zu verhindern, bemühen sich die Plattenfirmen, wenigstens ein bisschen vom Fußball-Fieber abzubekommen: Von Nationalhymnen über Songs zum Mitgrölen wie «Viva Colonia» der Höhner, bis zu den eher anspruchsvollen Werken der Sportfreunde Stiller - das Angebot ist bunt gemischt und enthält auch einige skurrile Beiträge.

Kurz vor der WM haben es sieben Fußball-Titel in die TOP 100 der Single-Charts geschafft, fünf sogar unter die ersten 20. Zusammen kommen die WM-Songs auf einen Verkaufsanteil von knapp einem Viertel aller Titel der TOP 100, wie media control mitteilte. Dennoch rechnet EMI-Manager Manfred Rolef nicht mit dem ganz großen Geschäft, ein Verkaufsboom sei nicht zu erwarten. Eher gehe es darum in einer schwierigen Zeit mit «zielgerichteten Produkten» am WM-Geschäft teilzuhaben.

Immerhin ließen sich Fußball-Turniere wesentlich besser als andere sportliche Wettbewerbe mit Musik verknüpfen, sagt Rolef. Diese Einschätzung bestätigt Maik Hausmann, der bei der media control für die Charts zuständig ist. Die WM spiele eine deutlich größere Rolle als etwa Olympische Spiele. «Die Musikindustrie geizt jetzt wirklich nicht mit Veröffentlichungen.» Hinzu komme, dass die WM im eigenen Land eine ganz besondere Aufmerksamkeit erzeuge.

So schaffte es Herbert Grönemeyer mit der offiziellen WM-Hymne «Zeit, dass sich was dreht» auf Anhieb auf den vierten Platz der Single-Charts. Der erfolgreichste deutsche Sänger der vergangenen Jahre hat das Lied mit dem afrikanischen Duo Amadou & Mariam aufgenommen. In den Album-Charts kamen die Münchner Musiker Sportfreunde Stiller mit ihrer Fußball-CD «You Have To Win Zweikampf» aus dem Stand auf den zweiten Rang.

Hilfreich scheint auch die Verbindung mit dem WM-Maskottchen zu sein: Zwei Songs aus dem Album Goleo VI haben es unter die Top 10 der Single-Charts geschafft - «Love Generation» und «Dance!». Gute Chancen, dass sein Lied mit der WM identifiziert wird, hat auch der britische Popstar Robbie Williams. Mit seinem Song «A Place To Crash» vom aktuellem Album «Intensive Care» will die ARD ihre WM-Berichterstattung untermalen.

Doch nicht alle Macher von Fußballsongs verfolgen damit handfeste kommerzielle Interessen. So hat das Projekt «Wir sind die WM» einen gleichnamigen Titel aufgelegt - eine rockige Fußballhymne mit 150 singenden Fans unter anderem aus Deutschland, England und den Niederlanden. Hierbei geht es vor allem um Protest gegen die Kommerzialisierung des Fußballs.

«Rache an der FIFA für den Grönemeyer-Song», ist nach Darstellung der Internetseite www.fcd06.de das Motiv für die Veröffentlichung eines besonders skurrilen WM-Liedes. «(Lass mich in Dein') Strafraum, Baby», gesungen vom «großen Wolfram Jütten» soll demnach die Ehre der Fußballnation wiederherstellen.

Dagegen fühlt sich die Hamburger Band Steinfisch «vom Fußballfieber übermannt», wie Bandleader Burkhard Schack erzählt. Das hat immerhin dazu geführt, dass es die CD «weiter abschlag» in einer stilechten, einem Fußballrasen ähnelnden Hülle gibt. «Ausgezahlt hat sich das noch nicht direkt, aber auf Konzerten macht es einfach Spaß, unser Fußballlied zu spielen», sagt Schack.

 
 
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