Neue Musik-DVDs: Von Pete Doherty bis Johnny Cash10.08.2006 11:08 Hamburg - Er ist der öffentliche Rockstar par excellence, Pete Doherty, Enfant terrible der Szene, zerzaustes Genie zwischen Wahnsinn, Drogen, Ekstase und Niedergang. Ein Poet maudit für das neue Jahrtausend. Liebhaber von Supermodel Kate Moss.
Bei seiner Band «The Libertines» flog der hochkant raus, mit den «Babyshambles» versucht er sich seitdem über Wasser zu halten. Dabei ist es längst unmöglich, ein annähernd authentisches Bild von Doherty zu zeichnen - sein durch den Fleischwolf der Boulevardpresse gedrehtes Image ist eine Mischung aus Medienstorys, Selbstinszenierung und übler Nachrede. Genau dies ist auch das Problem von Roger Pomphreys Dokumentation «Who the Hell is Pete Doherty?, die jetzt auf DVD erschienen ist. Der «wahre» Doherty ist eine Fiktion, greifbar sind nur Facetten eines sich permanent in Szene setzenden Garagenrock-Sängers. Der Film begleitet Doherty auf der Babyshambles-Tour im Herbst 2004. Die Begeisterung der Fans in den kleinen Clubs ist echt, das spürt man. Sie lieben ihn, und er will von ihnen geliebt werden. Ein Freund Dohertys meint, dieses lebe alles dies aus, wovon ein Star wie Robbie Williams nur träumen würde. Dazwischen kommt Doherty zu Wort, er redet eher unzusammenhängend, aber ein «Junkie» sei er auf keinen Fall. Man wird nicht schlau aus diesem Typen, aber mit dem, was er erzählt, meint er es ernst. Wie ein großes, müdes Kind wirkt Doherty in dieser Dokumentation. Joe Strummer, Sänger der vielleicht wichtigsten Punk-Band «The Clash», versuchte ab 1999 mit seiner Band The Mescaleros ein Comeback. «Let's Rock Again» dokumentiert die letzte Schaffensphase von Strummer, der im Dezember 2002 verstarb, und begleitet den Ex- Punk auf einer Tour in Japan - eine Mischung aus Interviews, Archivaufnahmen und Konzertmitschnitten, die traurig stimmt. Von der Wut des Punk ist nichts mehr übriggeblieben. Sehr schön, auch wenn der Cash-Hype inzwischen beängstigende Formen angenommen hat, ist die DVD «Man in Black: Live in Denmark». Dokumentiert wird zum ersten Mal ein Konzert, dass Johnny Cash in Juni 1971 in Dänemark gegeben hat - in intimer Atmosphäre inmitten einer grandios rustikalen Bühnen-Deko vor familiären Publikum. Der Auftritt ist so etwas wie das Kontrastprogramm zu den Gefängnis- Konzerten von Cash. Der «Man in Black» wird begleitet von der Carter Family, den Statler Brothers sowie Gitarrist Carl Perkins. Neben Hits wie «I Walk the Line» oder «Folson Prison Blues» singt Cash im Duett mit seiner Frau June. Die fordert er einmal auf, etwas auf schwedisch zu sagen, wobei diese mit einem «Hey» antwortet. Das unterkühlte Publikum nahm's gelassen. |
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