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George und der Jazz - Newport-Jazzfestival wird 50 Jahre alt


02.08.2004 10:08

New York - Alle Jahre wieder, im Sommer, verwandelt sich der verschlafene Badeort Newport in Rhode Island in die Hauptstadt des Jazz: Seit 50 Jahren bringt das «Newport Jazz Festival» die besten Jazzmusiker der Welt an die amerikanische Ostküste. In den 50ern spielten hier Stars wie Miles Davis, Ella Fitzgerald und Thelonius Monk.


Herbie Hancock

Herbie Hancock vergangenes Jahr bei einem Konzert in Kopenhagen.

Zum runden Geburtstag vom 11.-15. August 2004 kommen Herbie Hancock und Dave Brubeck. Und ein Mann kennt sie alle: George Wein, der seit einem halben Jahrhundert das älteste amerikanische Jazzfestival organisiert.

Das 50. Newport-Festival steht ganz im Zeichen des puren Jazz. Auf Publikumsmagneten aus der Rock- oder Popbranche hat Wein, anders als sonst, in diesem Jahr verzichtet. Der 78-Jährige freut sich besonders auf die legendären Newporter Jam Sessions, die schon Miles Davis und John Coltrane oder Duke Ellington und Thelonius Monk zusammen auf die Bühne gebracht haben. «Es ist immer wieder aufregend, wenn die Musiker zusammen improvisieren» sagt Wein, «und dieses Jahr haben wir wirklich die allerbesten eingeladen.»

Die Besten des Jazz trafen sich schon 1954 in Newport. Ein ortsansässiges Ehepaar hatte den jungen Bostoner Produzenten George Wein gefragt, ob er ein Konzert in Newport organisieren könne. Und ob er konnte: Ein ganzes Wochenende lang lag der Badeort im Jazz-Fieber. 11 000 Menschen feierten Billie Holiday, Dizzy Gillespie, das Oscar Peterson Trio und andere.

Damals war George Wein gerade 28 Jahre alt. Heute, 50 Jahre später, sitzt der grauhaarige Produzent in seinem Büro zwischen Broadway und Hudson River in der New Yorker Upper West Side. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich CDs, durch die holzgetäfelten Räume fluten Jazzrhythmen. Wein weiß noch genau, wann er diese Rhythmen zum ersten Mal hörte: «Ich war ungefähr 14, als mein Bruder Larry eine Louis-Armstrong-Platte auflegte».

Die Musik ließ Wein nicht mehr los. Erst versuchte er sich selbst als Jazzpianist, aber in seiner Bostoner Collegezeit merkte er, dass ihm der Job als Organisator hinter der Bühne mehr lag. «Ich war kein herausragender Jazzmusiker», sagt er, «aber dafür kannte ich herausragende Jazzmusiker!» Er öffnete einen kleinen Club in einem angemieten Hotelzimmer, kaufte ein Klavier, ein paar Tische und Stühle. Und seine Freunde ließen ihn nicht hängen: Ella Fitzgerald und Billie Holiday, Duke Ellington und Miles Davis, Sarah Vaughan und Dizzy Gillespie machten den Club über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Sechs Jahre später kam dann der Erfolg mit dem Newport-Jazzfestival, der sich allerdings zunächst nicht in Geld umsetzen ließ. «Jahrelang musste ich Schulden machen», erinnert sich Wein, «erst als ich weit über 40 war, lohnte sich das Festival auch finanziell». Skandale schadeten dem Image, 1960 gerieten Fans und Polizei in Newport aneinander, 1971 stürmten Jugendliche die Bühne. Das Festival wurde abgebrochen und musste bis zu Beginn der 80er Jahre nach New York ausweichen.

All diese Erinnerungen, ob gute oder schlechte, werden lebendig, wenn George Wein zu Hause eine Jazzplatte auflegt. «Die Musik spricht förmlich zu mir», sagt er. «Wenn ich Sarah Vaughan singen höre, denke ich: Was für eine Sängerin! Und zugleich: Was sie mir alles für Probleme gemacht hat!» Denn das Arbeiten mit Musikern konnte anstrengend sein. Wein erinnert sich, dass er oft nachts für Duke Ellington Eiscreme auftreiben musste. Und manchmal klingelte im Morgengrauen Thelonius Monk an seiner Tür, um in seinem Wohnzimmer Klavier zu spielen. Wein vermisst seine alten Freunde. «Aber sie warten sicher oben im Jazzhimmel schon auf mich», schmunzelt er, «und dann starten wir das Great Sky Jazz Festival!».

 
 
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