König Fußball regierte die Charts 200613.12.2006 09:12 Hamburg - Was war eigentlich der Sommerhit des Jahres 2006: «Olé, olé, olé, olé, Super-Deutschland, olé, olé» oder «Es gibt nur einen Jürgen Klinsmann» oder vielleicht «Oh, wie ist das schön»?
Eines ist sicher: Im Pop war es wie auf'm Platz - König Fußball regierte im WM-Jahr 2006. Denn nicht nur Fangesänge erschallten auf den Straßen und Plätzen in Deutschland. Fußballsongs dominierten wochenlang die Charts - vor, während und sogar noch nach der Weltmeisterschaft: Ob Herbert Grönemeyers WM-Hymne «Zeit, dass sich was dreht», die Sportfreunde Stiller mit ihrem optimistischen «'54, '74, '90, 2006» oder auch der Song «Love Generation» von Goleo, dem nach Meinung vieler Fans peinlichen WM-Maskottchen. Selbst Soul-Poet Xavier Naidoo, eher für religiöse Erweckung als für Stadion-Stimmungsmache bekannt, ließ sich vom Begeisterungs-Sog um die Klinsmänner mitreißen. Sein ruhig-nachdenklicher Song «Dieser Weg» wurde zur inoffiziellen Kabinenhymne der deutschen Elf - und damit auch von den Fans als Partysong vereinnahmt. Natürlich erlebte auch der 1996er Fußballklassiker «Three Lions» eine Renaissance: «It's coming home, it's coming home, football's coming home», gesungen von tausenden deutschen Fans dürfte für die englischen Anhänger fast so schmerzlich gewesen sein wie das schmähliche Viertelfinal-Aus ihrer Löwen im Elfmeterschießen - wieder einmal. Mit König Fußball konnte und wollte selbst Superstar Robbie Williams nicht in Konkurrenz treten. Der eingefleischte Fan und begeisterte Hobbykicker platzierte den Start seiner Deutschlandtournee genau auf den Tag nach dem Finale, das am 9. Juli stieg. Während der WM tourte Robbie durch den Rest Europas und gab in den Tourstädten selbst kleine Fußballturniere, bei denen örtliche Jugendmannschaften gegen Williams und seine Crew antreten durften. Und die Doppelbelastung tat seinem Erfolg keinen Abbruch: Mehrere hunderttausend Fans feierten Williams auf den Konzertbühnen. Sein im Herbst folgendes Album «Rudebox», auf dem er sich vom typischen Williams-Sound verabschiedete, um mit Funk und HipHop zu experimentieren, war hingegen nicht ganz so erfolgreich und schnell wieder aus den deutschen Top Ten verschwunden. Pop-Diva Madonna hatte es mit ihrer «Confessions on a Dancefloor»- Tour von vornherein auf Provokation abgesehen. Jesus gleich ließ sie sich mit Dornenkrone an ein Kreuz hängen, um ihren Song «Live To Tell» zu präsentieren - und prangerte gleichzeitig Armut, Gleichgültigkeit und Leid in der Welt an. Ein Aufschrei der Entrüstung erklang vom erzkatholischen Italien über das orthodoxe Russland bis hin zum religiös gemäßigten Deutschland. Protestanten wie Katholiken warfen Madonna Gotteslästerung und Selbstdarstellung vor - eine bessere Werbung hätte sie sich kaum wünschen können. Die Fans kamen zu Hunderttausenden in ihre Konzerte, ob nach Düsseldorf, Hannover, Rom oder Moskau. Dass sie nebenbei auch noch eine perfekt choreografierte, mit Lichteffekten gespickte und tänzerisch anspruchsvolle Musikshow erlebten, ging in dem Rummel fast unter. Fast ohne Rummel, sich ganz auf seine sanfte, einschmeichelnd- schöne Musik verlassend feierte Yusuf Islam alias Cat Stevens das Comeback des Jahres. Über 20 Jahre lebte der zum Islam konvertierte Brite vom Musikgeschäft zurückgezogen und beschäftigte sich vor allem mit seiner Religion. Dann kam der Terror vom 11. September 2001 und mit ihm die Angst vor einem radikalen Islamismus. Yusuf verteidigt seitdem seinen Glauben, tritt vehement für dessen Entpolitisierung ein und erkannte nun, dass er mit Musik möglicherweise mehr Menschen erreichen kann als nur mit seinen Worten: «In der heutigen Zeit, die durch Kriege und Tragödien so dunkel wirkt, ist es besonders wichtig, das Positive zurückzubringen - das will ich mit meiner Musik tun», sagte er in einem Interview. Genau das tut er mit seinem neuen Album «An Other Cup»: Wunderschön ruhige Stücke, die ohne Peinlichkeit für Verständnis, Weltfrieden und Toleranz werben - und genau den richtigen Ton treffen, passend zum Weihnachtsfest. |
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