Erster Literaturpreis für Udo Lindenberg17.01.2007 11:01 Hamburg/Mainz - Wenn es um sein Werk geht, gibt sich Rockstar Udo Lindenberg (60) selten bescheiden. Dafür hat der «Junge von der Straße», wie er sich selbst nennt, zu hart an seiner Karriere gearbeitet - und zu viel erreicht.
Seit drei Jahrzehnten gehört der in Hamburg lebende Künstler zu Deutschlands populärsten Musikern, landete Hits, sammelte Goldene Schallplatten und heimste Preise ein. Dass ihm das Land Rheinland-Pfalz nun aber morgen im Mainzer Staatstheater die Carl-Zuckmayer-Medaille verleiht, ist selbst für den Pionier der deutschsprachigen Rockmusik eine kleine Überraschung. «Immerhin mein erster Literaturpreis», sagt er stolz. Der prominente Hutträger und Dauergast des Hotels «Atlantic» an der Hamburger Außenalster kann sich noch gut an die Geburtsstunde des «Lindiismus» erinnern. «Als ich früher, leicht schwindelig, im "Onkel Pö" oder sonstigen Kneipen meine Sprüche auf irgendwelche Bierdeckel kritzelte, hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mit so etwas später mal in die heiligen Hallen der Lyrik reingerate», gesteht er. Damals - das war Anfang der 70er Jahre, als der Installateurssohn aus dem westfälischen Gronau an die Elbe kam und seine Karriere wie am Reißbrett entwarf. Der Schlagzeuger, den es ins Scheinwerferlicht zog, wusste genau, wie er als Rockstar auszusehen hatte. Singen konnte er nicht, also erfand Udo seinen Sprechgesang. Vor allem aber war ihm - nach anfänglichen Versuchen auf Englisch - bald klar, dass er deutsch singen würde. Eine Revolution, denn bis dahin verband man mit der deutschen Sprache hauptsächlich Schlager-, aber keine Rockmusik. Noch dazu entstanden und entstehen die Texte des Musikers aus den «Korrespondenzen mit der Straße», wie er erklärt. «Ich habe die Sprache benutzt, die auf der Straße und in den Kneipen wirklich gesprochen wird», sagt er. «Oft ist es auch die Eingebung des "highligen Geistes", manchmal ist es das nasse Gold, das ich aus den promilligen Tiefen der Erleuchtung hebe.» «Alles klar auf der Andrea Doria» und «keine Panik auf der Titanic» dröhnte es plötzlich aus den Radios. Dass sich Lindenberg entgegen dem allgemeinen Trend für die deutsche Sprache entschieden hat, würdigt auch Ministerpräsident Beck. «Sein Deutsch-Rock hat vielen Künstlern Mut gemacht, ebenfalls in ihrer Muttersprache aufzutreten», meint der Politiker. Noch heute unterstützt der Rockstar junge Musikerkollegen und sieht darin «einen Hauptauftrag». «Ich bin gegen die blassen Massen, will lieber die derben Krassen», sagt «El Panico» und freut sich über Erfolge wie von Silbermond oder Jan Delay - «wie geil, dass die alle deutsch singen». Preisträger wie Friedrich Dürrenmatt oder Martin Walser erhielten die Medaille zu Ehren des Schriftstellers Zuckmayer (1896-1977). Lindenberg selbst bewundert seit langem den Dichter Hermann Hesse (1877-1962). «Er ist der Meister des Eigensinns, der Abkehrer von Lehren und Lehrern und ruft auf zum ureigenen Weg des Individuums», erklärt er. Erst kürzlich gründete er eine Stiftung (www.udo-lindenberg-stiftung.de), damit Hesses Texte in Songs verarbeitet werden. «Hesse war mir auf dem Weg der Selbstfindung der größte Inspirator und Mutmacher», erzählt der 60-Jährige und empfiehlt dem Musikernachwuchs: «Wenn Deine Finger alle Griffe an der Gitarre draufhaben, kreiere sofort Deinen unverwechselbaren Geheim-Stil.» |
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