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musiknews  
 

«I Walk The Line» - Johnny Cash wäre 75 geworden


23.02.2007 17:02

New York - Eines der schönsten Lieder von Country-Legende Johnny Cash ist in Deutschland entstanden. Der junge Musiker war Funker auf einem Abhörposten der US-Air Force im oberbayerischen Landsberg am Lech, als er Anfang der 1950er Jahre den unvergesslichen «Folsom Prison Blues» schrieb - die bitter-traurige Geschichte eines Gefangenen, der als Kind von seiner Mutter immer zum Gutsein erzogen wird.


Johnny Cash

Johnny Cash während eines Auftritts in Frankfurt (Archivfoto vom 25.04.1981).

«But I shot a man in Reno, just to watch him die» - «Aber ich erschoss einen Mann in Reno, nur um zu sehen, wie er stirbt». Und schon beim Pfeifen der Kugel beginnt er zu weinen.

Die Zerrissenheit zwischen Gut und Böse, Licht und Schatten, Schuld und Sühne - das sind die großen Themen, die Johnny Cash in seinen Balladen Worten besingt. Die musikalische Präsenz, mit der er das tut, hat ihn auch über den Tod hinaus zum «King der Country-Musik» gemacht. Am Montag (26. Februar) wäre der im September 2003 gestorbene Sänger 75 Jahre alt geworden.

Mit seinen zornigen, rebellischen Texten und der wunderbar tiefen Stimme hat Cash dem Lebensgefühl von Millionen Amerikanern Ausdruck gegeben. Hits wie «Daddy Sang Bass» oder «Sunday Morning Coming Down» wurden zu Hymnen der hart arbeitenden, einfachen Menschen. Er besang Fließbandarbeiter und Soldaten, Kriminelle und Revolverhelden. Seine beiden inzwischen neu edierten Alben von Life-Auftritten im Gefängnis - «At Folsom Prison» (1968) und «At San Quentin» (1969) - sind bis heute Kult. In seinen Konzerten trat er nur mit schwarzer Kleidung auf. «Ich trage Schwarz für die Armen und Unterdrückten, die im Elendsviertel der Stadt leben», erklärt er im Song «Man in Black».

Auch in seinem eigenen Leben hatte Johnny Cash viele düstere Zeiten. Der mehrfach preisgekrönte Film «Walk The Line» (2005) mit Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon in den Hauptrollen erzählt eindringlich von der bitterarmen Jugend als Sohn eines Baumwollpflückers in Kingsland, Arkansas. Als der zwei Jahre ältere Bruder bei einem Unfall mit der Kreissäge stirbt, macht der Vater den kleinen J.R. (so Johnnys ursprünglicher Vorname) für den Tod mit verantwortlich - eine Last, die ihn zeitlebens begleiten wird.

Nach der Rückkehr vom Armeedienst in Deutschland 1954 gründet Cash mit dem Bassisten Marshall Grant und dem Gitarristen Luther Perkins das Trio Johnny Cash & The Tennessee Two. Obwohl der Produzent von Sun Records, Sam Phillips, die Drei zunächst abblitzen lässt, stellt sich bald der Erfolg ein. Nach einer Single mit «Hey, Porter» und «Cry, Cry, Cry» kommt 1957 die erste LP auf den Markt. Von da an geht es steil bergauf. Der Song «Ring of Fire» wird 1963 ein Welthit. Auch als Schauspieler und Entertainer hat Cash Erfolg. Aber er hält dem Druck nicht stand. Immer häufiger greift er zu Aufputsch- und Beruhigungsmitteln, trinkt zu viel und rastet aus. Im Herbst 1967 ist er ein Wrack. Er legt sich in eine Höhle zum Sterben.

Doch seiner großen Liebe und späteren zweiten Ehefrau June Carter gelingt es, ihn aus dem Teufelskreislauf herauszuholen. In den 80er Jahren kann Cash mit dem Projekt «Highwaymen» erneut große Erfolge feiern. Dann wird es ruhiger um ihn. Doch 1994, als kaum mehr jemand damit rechnet, gelingt noch einmal ein Neuanfang. In Zusammenarbeit mit dem eher auf HipHop und Metal spezialisierten Label American Recordings schafft Cash ein riesiges Comeback und gewinnt auch bei der jungen Generation neue Fans. Am 12. September 2003 stirbt der seit langem von schwerer Krankheit gezeichnete Star an den Folgen seiner Diabetes - nur ein halbes Jahr nach seiner Frau June. «I Walk The Line», steht auf dem Grabstein - «Ich bleibe auf Kurs».

Der elffache Grammy-Gewinner hinterließ mehr als 500 selbst komponierte Songs, weltweit wurden rund 53 Millionen seiner Platten verkauft. Fast schien es, als würde nach seinem Tod der Rummel um seine Person größer als je zuvor. Neben dem Film «Walk The Line» gab es ein Broadway-Musical sowie Bücher und CDs über sein Leben. Zudem erschienen einige CD-Sammlungen, die zum Teil bisher unveröffentlichte Songs und private Aufnahmen enthielten. «Die Art, wie wir Musik gemacht haben, war ehrlich», hatte Johnny Cash einmal erklärt. «Wir haben gespielt und gesungen, wie es unserem Gefühl entsprach. Und das sagen zu können, ist ganz schön viel.»

 
 
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