Arzt trifft King: Bela B. liest Elvis Presley24.05.2007 16:05 Hamburg - Wer den Namen Bela B. bisher höchstens mit der deutschen Punk-Pop-Formation Die Ärzte in Verbindung gebracht hat, dürfte sich nicht schlecht wundern. Der Musiker, der bürgerlich Dirk Felsenheimer heißt, kann nicht nur singen, trommeln und Hits schreiben. Er ist darüber hinaus auch ein äußerst begabter Sprecher und Vorleser.
Schon vor Jahren brillierte er neben Kollegen wie Peter Gabriel, Holger Czukay oder Annette Humpe in einer Sprechrolle in Christa Fasts Hörspiel «Die Nixe/The Mermaid». Im Jahr 2004 machten er und Thomas D. von den Fantastischen Vier von sich reden, als sie sich gemeinsam an Goethe versuchten, festgehalten auf dem Hörbuch «Faust vs. Mephisto». Nun hat sich Bela B. - ganz im Alleingang - an Elvis Presleys Lebensgeschichte gewagt. «Last Train To Memphis» (Bear Family Records) heißt die Hörbuch-Biografie, die er liest. Als Presley vor 30 Jahren starb, war Bela B. gerade 14 Jahre alt und interessierte sich mehr für Punk als für Rock'n'Roll. «Doch schon bald erkannte ich, dass all das ohne Elvis nicht passiert wäre. Elvis hat mehr in dieser Welt verändert als die meisten Kriege oder Regierungswechsel», schreibt der heute 44-Jährige im Booklet der mit vielen Fotos angereicherten Biografie. «Es war manchmal so, als stünde ich direkt neben ihm», schwärmt der Berliner weiter. Tatsächlich scheint Bela B. der Stoff gelegen und er sich eingehend mit der Vita des Kings aus Memphis, Tennessee, beschäftigt zu haben, bevor er sich mit dem Manuskript vors Mikrofon setzte. «Doktor B.» trägt die vom US-Autor Peter Guralnick (63) akribisch recherchierte und von Michael Widemann ins Deutsche übersetzte Biografie in bestem Hochdeutsch, pointiert und mit angenehmer Stimme vor. Doch selbst er schafft es zeitweise kaum, die Hörer bei der Stange zu halten. Höchste Konzentration ist dabei aber schon gefragt, denn die Sätze, die er sprechen muss, sind lang und verschachtelt. Alles behalten kann man da nicht: zu viele Namen, Hausnummern, Jahreszahlen und Details auf einmal. Das kann das Gehirn beim Lesen vielleicht noch verarbeiten, beim Zuhören hängt es streckenweise hinterher. Weniger Informationen wären da vielleicht mehr gewesen, auch wenn Guralnicks Chronik eines unbestritten großen Künstlerlebens bei Erscheinen 1994 von Kritikern begeistert aufgenommen worden ist. Selbst Bob Dylan lobte damals: «Dieses Buch löscht alle anderen aus.» Und Zeit braucht man für «Last Train To Memphis». Obwohl auf Musik gänzlich verzichtet wurde, umfasst die Lesung nicht weniger als ein Dutzend randvoll besprochene CDs. Eine Strecke beispielsweise von Hamburg nach Rom würde gerade reichen, um diesen Umfang zu bewältigen - im Auto, ohne Staus. Denn ganze 17 Stunden muss man sich auf das Hörbuch einlassen, um wirklich alles über den fraglos einmaligen Elvis in den Jahren 1935 bis 1958 (Aufstieg) zu erfahren: von der Geburt in Tupelo, Mississippi, über die Zeit mit seinem Entdecker Sam Philips (Sun Records) bis zum Tod der geliebten Mutter. Das ist dann allerdings nur der erste Teil der Hörbuch-Biografie. Der zweite Teil, Elvis' Jahre von 1958 bis zu seinem Tod 1977 (Niedergang), wird «Careless Love» heißen und ist für diesen Sommer angekündigt: genug Stoff für den wahren Elvis-Fan, den langen Rückweg von Italien nach Norddeutschland zu überstehen. Gute Fahrt! |
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