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Love Parade soll von der Spree an die Ruhr ziehen


19.06.2007 10:06

Essen/Berlin - Von der Spree an die Ruhr: Nach Querelen mit dem Berliner Senat zieht die legendäre Tanzveranstaltung Love Parade höchstwahrscheinlich nach Essen um. Am 25. August sollen erstmals nicht in Berlins Tiergarten Hunderttausende zu wummernden Beats tanzen, sondern in Essens Innenstadt.


Love Parade

Ausgelassen tanzt eine Raverin auf der Straße des 17. Juni an der Siegessäule in Berlin (Archivfoto vom 15.07.2006).

Auch dort kommen die Raver aber nicht ganz von der Hauptstadt los: Der Berliner Platz wird wohl eine zentrale Rolle spielen. Offiziell wird die «neue» Love Parade an diesem Donnerstag vorgestellt. In den kommenden Jahren soll sie dann in Dortmund, Bochum, Duisburg und Gelsenkirchen stattfinden.

Die letzte Hürde für den Rave in Essen - die Zustimmung des Stadtrats am Mittwoch - gilt als Formsache. Das Ruhrgebiet ist für Raver kein unbekanntes Pflaster. Seit 1993 findet in Dortmund jährlich am 30. April die Techno-Party Mayday statt. Sie gilt als größter Indoor-Rave Deutschlands.

Der Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Metropole Ruhr, Hanns-Ludwig Brauser, freut sich über den «Coup»: «Die weltweit bekannte Love Parade ist ein unbezahlbarer Image-Gewinn für das Ruhrgebiet, den wir mit normaler Werbung nie hinbekommen würden.» Das gesamte «Love-Weekend» mit Veranstaltungen überall im Revier werde 120 Millionen Euro in die Kassen der Region spülen, rechnet er vor.

Dass die Love Parade aus Berlin abzieht, war im Februar bekannt geworden. Die Loveparade Berlin GmbH hatte ihren Antrag für die am 7. Juli geplante Parade zurückgezogen, weil der Senat noch keine schriftliche Genehmigung erteilt hatte. Damit habe die benötigte Planungssicherheit gefehlt, sagte Geschäftsführer Rainer Schaller.

2001 hatte die Love Parade ihren Status als Demonstration verloren. Das hatte dazu geführt, dass die Veranstalter etwa für die Müllbeseitigung nach dem Umzug selbst aufkommen mussten. Mit dem Land Berlin war damals ein Rahmenvertrag für fünf Jahre abgeschlossen worden. Ende 2006 war dieser laut Schaller ausgelaufen, ohne dass Berlin eine Verlängerung zusicherte.

Bei der Senatsverwaltung gab man sich im Februar angesichts dieser Sichtweise überrascht und verwies auf laufende Gespräche mit den Veranstaltern - ließ die Love Parade dann aber ziehen. Schaller rief Städte in ganz Europa auf, sich als neue Parade-Heimat zu bewerben. Der 38 Jahre alte Betreiber einer Fitness-Studio-Kette hatte die zuvor zwei Jahre lang ausgefallene Veranstaltung wieder aufleben lassen. Nachdem auch Gründer Dr. Motte alias Matthias Roeingh ausstieg, gehören Schaller die Love-Parade-Markenrechte nun allein.

«Die Love Parade ist tot - es lebe die Love Parade» - so könnte das Motto der jetzigen Veranstalter lauten. Sprecher Björn Köllen will die Veranstaltung nicht mehr nur als Techno-Parade verstanden wissen. «Techno ist nur einer der Musikstile unter dem Dach elektronischer Tanzmusik.» Er betont, bei der mindestens drei Millionen Euro teuren Love Parade gehe es dem Hauptsponsor nicht ums Geldverdienen.

Kritiker sehen das anders. Der Berliner DJ Moog T. alias Thomas Rupp hält die Entwicklung der Love Parade für eine «traurige Angelegenheit». Für ihn, einen der Mitgründer der so genannten Fuck Parade, die sich bereits 1997 wegen deren «zunehmender Kommerzialisierung» von der Love Parade abspaltete, ist die Parade bloß noch «Karneval für die vermeintliche Jugend». Bei der für den 18. August angesetzten Fuck Parade in Berlin werde in diesem Jahr ein neuer Mitstreiter dabei sein: Dr. Motte.

 
 
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