Punkrock als Kulturexport - bayerische Band tourt durch China30.11.2007 09:11 Schanghai/Garmisch-Partenkirchen - Als eine der ersten Rockgruppen aus Deutschland hat sich eine bayerische Punkband mit einer umfangreichen Tournee in China einen Namen gemacht.
Die vier jungen Männer der in ihrer Heimat nur eingefleischten Fans bekannten Band Noopinion sind im November kreuz und quer durch die Volksrepublik getourt und gaben in 18 Tagen 14 Konzerte - inklusive 24-stündiger Zugfahrten, Durchfallerkrankungen, einstürzender Bühnen und Übernachtungen in verrauchten Live-Clubs. Für Noopinion war es eine Abenteuerreise durch Chinas Untergrundkultur. Zu den Konzerten kamen je nach Wochentag 50 bis 250 Chinesen, für die Punkmusik, die im Westen schon 30 Jahre auf dem Buckel hat, der letzte Schrei ist und den Reiz des Verbotenen in sich trägt. «Ich glaube, es ist gar nicht so einfach, hier Punkrocker zu sein und die Subkultur zu leben», sagt Gitarrist Patrik Fischer. «Hier wirst doch noch ganz anders angesehen, wenn du zum Beispiel einen tätowierten Hals hast.» Ein Eindruck von einem der letzten China-Konzerte vor Tourneabschluss in der ostchinesischen Wirtschaftsmetropole Schanghai: Etwa 60 junge Chinesen und Chinesinnen stehen in dem Schanghaier Musikclub «Yuyintang» vor gestapelten Lautsprechern, die später am Abend noch ihren Geist aufgeben werden. Bis dahin lassen Noopinion lärmende Tonkaskaden auf die Trommelfelle der Zuhörer prasseln. Über verzerrten Gitarren und galoppierenden Schlagzeugrhythmen schneidet die kreischende Stimme des Sängers durch den Saal. Vier Lieder brauchen die jungen Männer aus Garmisch-Partenkirchen im fernen Schanghai, um eine Gruppe Chinesen zu einem wilden Tanz zu animieren. Beim sogenannten Pogo schubsen sich die jungen Männer gegenseitig über den Tanzboden. «Für mich ist es das erste Punkkonzert», sagt Studentin Luo Xiaoting, die vor den stürmischen Tänzern in die Arme ihrer Mitstudentin flüchtet. «Verrückt und extrem schnell», urteilt der junge Ingenieur Wang Bin über die Musik. «Hier sind die Menschen noch ein bisschen begeisterungsfähiger und du kommst dir teilweise vor wie ein Rockstar», sagt Gitarrist Patrik Fischer. «Es sind auch immer Leute im Publikum, die sagen, wir wollen Veränderung in China», erzählt der 31-Jährige. Für andere sei Punk einfach eine Modebewegung. Ob aus Rebellion oder Modebewusstsein - die harte Musik findet in China immer mehr Anhänger. Dass bisher noch kaum deutsche Musiker den Sprung nach China gewagt haben, liegt nach Meinung der Bayern vor allem daran, dass es sich finanziell nicht lohnt. «Im Prinzip zahlen wir dabei drauf», sagt Sänger Philippe Lenk. Die Gage pro Auftritt reicht von unter 100 bis zu 200 Euro. Da die Musiker sich mit schäbigen Unterkünften und Übernachtungen in Zugabteilen begnügten, konnten sie mit der schmalen Gage ihre Reisekosten finanzieren. Das Geld für den Flug stammte aber aus eigener Tasche. «Es ist einfach eine Möglichkeit, den Leuten unsere Musik zu präsentieren», erklärt Philippe Lenk. Für Noopinion war es bereits der zweite China-Besuch, nach einer noch längeren Tournee im vergangenen Jahr. Während andere deutsche Musiker meist nur kurze Gastspiele in Metropolen wie Schanghai oder Peking geben, standen bei den Punkern auch Anyang, Hefei oder Nanchang auf dem Plan. Oft sind sie dort auf eine Sprachbarriere gestoßen, da kaum jemand Englisch spricht. Sie haben mit ungewohntem Essen und einfachsten sanitären Einrichtungen gekämpft. Im zentralchinesischen Xi'an krachte zudem die Bühne zusammen und in Schanghai spielten die Deutschen trotz versagender Verstärkeranlage wacker weiter. Die Strapazen der Chinatour sind ihnen am Ende an den geröteten Augen abzulesen. «Danach fliegst du Heim und sagst, ich brauche jetzt erstmal Urlaub», sagt Philippe Lenk. |
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