Echo-Gala mit echter Kylie und falscher Britney17.02.2008 13:02 Berlin - Herbert Grönemeyer hat Wort gehalten: «Für uns ist das vor allem ein großes Fest», kündigte der Musiker bereits vor der Echo-Verleihung an. Mit seinem ganzen Team wollte er auf der großen Gala in Berlin hauptsächlich eines - feiern. «Wir fangen ruhig an und hören stürmisch auf.» Wenige Stunden später war der nunmehr achtfache Echo-Gewinner um zwei der begehrten Musikpreise reicher und konnte auf der Aftershowparty so richtig abrocken. Ausgelassen tanzte Grönemeyer mit Tochter und Team - es war sein Abend. Mit «12» hatte der Sänger nicht nur in der Album-Kategorie triumphiert, er wurde auch zum erfolgreichsten nationalen Künstler gekürt. In 25 Kategorien vergab die Deutsche Phono-Akademie am Freitagabend in Berlin die Auszeichnungen, die zu den wichtigsten Musikpreisen Europas gehören. Grönemeyer blieb bei der Show im Kongresszentrum ICC, die von 4500 Gästen im Saal und 4,45 Millionen TV-Zuschauern (Marktanteil: 16 Prozent) der RTL-Übertragung verfolgt wurde, nicht der einzige Doppel-Echo-Gewinner. Rapper Bushido und DJ Ötzi hatten ebenfalls gleich zweimal Grund zur Freude: Bushido siegte unter den nationalen Hip-Hop-Künstlern und mit dem besten Live-Act, DJ Ötzi gewann im Bereich Schlager und landete mit Nik P. mit «Ein Stern (der deinen Namen trägt)» - seit 55 Wochen in den Charts - den «Hit des Jahres». Mit einem Schuss Selbstironie glänzte Grönemeyer, als er sich seine Trophäe abholte. «Ich danke den Leuten, die mich dazu treiben, eine Platte zu machen», sagte er und fügte hinzu, dass er eigentlich schwer zu handhaben sei und nicht so gern arbeite. Sonst würde er lieber faul zu Hause sitzen, duschen, Zähne putzen und telefonieren. Überreicht hatte ihm den Preis TV-Moderator Günther Jauch, der wie Schauspieler Moritz Bleibtreu und Matthias Schweighöfer in der Show als Laudator auftrat. DJ Ötzi gab sich stolz und trotzig zugleich: «Ich will nicht, dass man die Geschmacksfrage stellt», rief der Schlager-Gewinner, «wir brauchen uns nicht zu genieren.» Auf der anschließenden Party vergnügten sich bei Hummer und Cocktails ohnehin alle gemeinsam - Schlagerlieblinge und Rapper, Volksmusikanten und Rocker. Mehr als drei Stunden lang hatten die Musiker, Fans und prominente Größen aus Medien, Politik und Show zuvor auf ihren Stühlen ausharren müssen. Für ein Highlight im Showprogramm und Blitzlichtgewitter auf dem roten Teppich - trotz parallel laufender Berlinale - sorgte nicht zuletzt Kylie Minogue, die im sexy Mini und mit blonder Pagenfrisur über die Bühne wirbelte. Eine andere «Blondine» erntete die meisten Lacher - Komiker Oliver Pocher mit einer heißen Tanznummer als Britney-Spears-Kopie. Superstar Alicia Keys hatte kurzfristig abgesagt. Sehnlichst ein Bier wünschte sich Showmaster Dieter Thomas Heck, als er sich für seinen Sonderpreis bedankte. «Mr. Hitparade» wurde für seine Verdienste um die deutschsprachige Musik geehrt und erhielt am Ende nicht nur den Preis, sondern von Moderator Oliver Geissen auch die gewünschte Flasche Bier. Mit minutenlangem Beifall bedachten die Zuschauer ihn ebenso wie Liedermacher Rolf Zuckowski, der den Echo für sein Lebenswerk bekam. Zuckowski («... und ganz doll mich», «Du da im Radio») widmete die Auszeichnung «allen Kindern und ihren Eltern». Schon zur Routine gehört die Echo-Verleihung für die Kastelruther Spatzen, die zum elften Mal abräumten. Preisträger wie Produzent Andreas Herbig hatten allerdings keine Chance, sich auf der Bühne zu bedanken. Für sie gab es eine Vorabverleihung, bei der Udo Lindenberg die Laudatio auf Herbig hielt. Nach Ansicht des Deutschrockers gehört auch ein Produzent «auf jeden Fall in die große Show». «Ein Producer ist ja schließlich der, der den Künstler erst so richtig wach- und nach oben kitzelt.» Andere Gewinner dagegen waren gar nicht erst angereist, vor allem die Ersten in den internationalen Kategorien wie Nelly Furtado, Linkin Park oder 50 Cent. James Blunt aber war zur Show in die Hauptstadt gekommen und konnte den Echo persönlich in Empfang nehmen. Bei den in den USA weilenden Teenie-Stars Tokio Hotel schien es fast, als wären sie doch im Saal. Sobald nur der Name der Gewinner in der Video-Rubrik fiel, stimmten Fans ein Kreisch-Konzert an. Das US- Konzert der Teenie-Band sei «vielleicht auch ein Grund, weshalb wir heute hier stehen», grinste Smudo, Mitglied der Fantastischen Vier, die sich als beste nationale Band gegen Tokio Hotel durchsetzten. Die RTL-Zuschauer konnten sich zudem über einen Star des Senders freuen - Mark Medlock, Gewinner der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar», wurde zum erfolgreichsten Newcomer gewählt. Auf sein etwas derbes Vokabular verzichtete Dieter Bohlens Zögling nicht und verabschiedete sich mit «Ich bin total am Arsch». |
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