Russische Bands im Kommen19.06.2008 11:06 Moskau - Russische Popbands drängen aus Sicht des Berliner Popexperten Dirk Schade zunehmend auf den deutschen und europäischen Markt. Zur Berliner Musikmesse Popkomm in diesem Herbst gebe es eine rekordverdächtige Bewerberzahl von 24 Bands aus Russland, sagte der Popkomm-Manager in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Moskau. «Ein heißer Favorit für einen Auftritt bei der Popkomm ist die Indie-Band Dolphin», sagte Schade am Rande der ersten offiziellen Präsentation der Messe in Russland. «Es wird nun zwar keine Welle mit Russenpop geben, aber mit dem Sieg von Dima Bilan beim Grand Prix in Belgrad hat das russische Musikbusiness zumindest ein Achtungszeichen gesetzt», stellte der Leiter des Popkomm-Festivals fest. In Russland fehlten noch Strukturen für einen richtigen, «auch vom Staat unterstützten Export» der Popkultur. «Aber wir merken, dass sich da was tut und sich Netzwerke bilden.» Der Eurovision Song Contest Ende Mai in Belgrad habe gezeigt, «dass Russland viel drauf hat, die haben ihre Show mit guten Beratern, einem Super-Auftritt durchgezogen. Und sie haben natürlich Kohle». Die Popkomm versucht angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung Russlands zunehmend Aussteller aus dem Riesenreich nach Berlin zu holen. «Zwischen Berlin und Moskau gibt es ja nicht nur geschichtlich gesehen, sondern eben auch wegen der vielen in Deutschland lebenden Russen fast nachbarschaftliche Beziehungen.» Noch befasse sich eher ein geschlossener Kreis in Deutschland mit russischer Popmusik, aber der Autor Wladimir Kaminer mit seiner «Russendisko» sei ein wichtiger Protagonist der Szene in Berlin. Auch mit Hilfe des Internets - besonders über das Videoportal YouTube - machten russische Popstars stärker international auf sich aufmerksam. Schade wies zudem darauf hin, dass deutsche Bands seit Jahren «riesige Erfolge» in Russland feierten: «Das sind Rammstein, Tokio Hotel und die Scorpions, aber auch Bands aus der Elektronikmusik- und Darkszene, die - übrigens oft unbemerkt - auch in Mexiko gefeiert wird.» Bei der Popkomm (8. bis 10. Oktober) werden zu dem von der Messe organisierten Festival mehr als 400 Bands aus 35 Ländern erwartet. Partnerland ist in diesem Jahr die Türkei. Gespräch: Ulf Mauder, dpa |
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