R.E.M. begeistern beim Tourauftakt16.07.2008 11:07 Dresden - Was haben die Rockband R.E.M. und Raffaels «Sixtinische Madonna» gemeinsam? Zu beiden gewährt in Dresden ein und dieselbe Eintrittskarte Zugang. Für Teil 1 des Kunstgenusses sorgten die Musiker aus den USA am Dienstagabend beim Konzert am Elbufer. Für Teil 2 - den Besuch der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden - haben die Fans nun zwei Monate Zeit. R.E.M-Frontmann und Ex-Kunststudent Michael Stipe warb beim Auftakt der Deutschland-Tour vor 10 000 Fans für die Museen. «Tut mir nur leid für die Leute auf der Brücke», rief er jenen Fans zu, die das Geschehen ohne Ticket von der Carolabrücke aus der Ferne verfolgten. R.E.M. begann die knapp zweistündige Show mit aktuellen Songs. Nach dem rockigen Auftakt konnten die Fans beispielsweise zu «Horse To Water» lautstark jubeln. Beim Tänzeln auf der Bühne ließ Stipe im schwarzen Anzug seine 48 Lebensjahre vergessen. Der charismatische Künstler stürmte wie ein jugendlicher Draufgänger an der Rampe entlang oder bewegte sich roboterhaft zu den Klängen seiner Bandkollegen. Stipe, Bassist Mike Mills und Gitarrist Peter Buck hatten sich mit einem Drummer und einem weiteren Gitarristen Verstärkung, der gelegentlich auch ans Keyboard wechselte. Beim ersten Deutschland-Auftritt der Tour gewährten die Musiker aus dem US-Bundesstaat Georgia einen Einblick in 27 Jahre Bandgeschichte. Natürlich ist auch R.E.M. im Multi-Media-Zeitalter angelangt. Auf einer riesigen Videoleinwand flimmerten auf der Hinterbühne Bilder von der Show, kurze Filmsequenzen oder verknappte Text-Botschaften. Zwei Techniker mit Lichtkanonen steuerten aus luftiger Höhe visuelle Effekte bei. Viele Zuschauer versuchten das Geschehen auf Foto-Handys zu bannen. Stipe bat dann auch darum, die Telefone mal in die Höhe zu halten - die Generation Handy war klar in der Überzahl. Neben großen R.E.M.-Hits wie «Imitation Of Life» oder «Bad Day» erklangen immer wieder Songs des Ende März erschienenen Albums, so der Titelsong «Accelerate», «Houston» und «Hollow Man». Einmal schien es, als würde Stipes Stimme an Kraft verlieren. Doch beim wunderschönen «Let Me In» belehrte er die Zweifler eines Besseren. Zu dem Song, der Stipes Freund und Nirwana-Sänger Kurt Cobain gewidmet ist, zogen sich die Akteure zu einer Akustik-Session auf der rechten Bühnenseite zurück. Auch das Lied «Elektrolite» aus dem Jahr 1996 markierte ein Stück R.E.M.-Historie. Beim Finale sprang Stipe zweimal in den Sicherheitsgraben, der die Bühne von den Fans trennte, und nahm ein Bad in der Menge. Bei den abschließenden Hits «Losing My Religion» und «Man On The Moon» tanzte das Publikum ausgelassen. «Es ist das erste Konzert in Deutschland, es ist fantastisch», bedankte sich der Frontman. Leider hatten nur die Tontechniker nicht ihren besten Tag erwischt. Phasenweise war die Anlage übersteuert und dämpfte den Hörgenuss. Nach Berlin am Mittwoch stehen in Deutschland noch weitere sechs Konzerte auf dem Tourneeplan: Stuttgart (19.8.), St. Goarshausen am Rhein (20.8.), Würzburg (22.8.), Oberhausen (17.9.), Hamburg (18.9.) und München (23.9.) |
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