Deutschlands jüngste Big Band kommt aus Sachsen09.05.2009 14:05 Plauen - Von Null auf Hundert in einer Zehntelsekunde: Alexander Gebel hebt kurz den Arm und schon rockt die Band so rasant los, dass dem Zuhörer fast die Ohren wegfliegen. Von der ersten Note an ergibt man sich dem Rhythmus. Man wippt mit dem Fuß, wackelt mit dem Kopf zur Musik von Louis Primas «Sing, Sing, Sing». Und vergisst dabei, dass die meisten der 16 Musiker noch Kinder sind - die «Kinder Big Band» des Vogtlandkonservatoriums «Clara Wieck» in sächsischen Plauen. Schon mehrfach ausgezeichnet, ist die Gruppe die vermutlich jüngste Big Band Deutschlands. «Mir ist keine weitere Band in diesem Alter bekannt», sagt Friedrich Reichel, der Leiter der Musikschule. Doch darauf kommt es den Vogtländern gar nicht an. «Den Kindern ist schon oft bescheinigt worden, dass so eine Leistung für diesen Altersdurchschnitt nicht gewöhnlich ist», sagt Reichel. 10 bis 14 Jahre alt sind die jungen Musiker in der Regel. Eine Ausnahme sitzt am Klavier: die 17-jährige Carolin. Seit sechs Jahren ist die Gymnasiastin dabei. «Es macht einfach irre viel Spaß.» Jede Menge Proben und Auftritte stehen auf dem Programm, Anfang des Jahres kam ein neuer Höhepunkt dazu: Der Auftritt in der ARD-Sendung «Krone der Volksmusik». «Das war eine tolle Erfahrung, zu sehen, wie es beim Fernsehen abläuft», sagt Carolin. Der zwölf Jahre alte Posaunist Ludwig ist stetig in der Band vorgerückt: Vor drei Jahren fing er als vierter Posaunist an, nun spielt er bereits die erste Stimme. Dabei war die Instrumentenwahl purer Zufall. «Mein Bruder spielt Schlagzeug in der Band, und ich wollte auch mitmachen», erzählt er. «Da habe ich meine Mutter gefragt, was für ein Instrument ich lernen könnte. Und sie sagte: Posaunen werden immer gebraucht.» Die Arbeit der Kinder zahlt sich aus: Lohn waren unter anderem ein 3. und ein 5. Platz beim Deutschen Orchesterwettbewerb sowie Landessiege bei «Jugend jazzt» - jeweils gegen weitaus ältere Konkurrenz. Gebel hatte 1997 die Idee mit der Kinder-Band. In der Ukraine, wo der Spätaussiedler bis dahin lebte, hatte er seit 1980 ähnliche Projekte geleitet. In Deutschland zeigte er Reichel eine Kassette mit Auftritten seiner Schützlinge - und der war begeistert. «Wichtig ist, dass nicht alle Kinder das gleiche Alter haben», sagt Gebel. So ist ein radikaler Umbruch ausgeschlossen, und die Band kann sich besser entwickeln. Derzeit besteht die Gruppe aus jeweils vier Trompeten und Posaunen, fünf Saxofonen sowie einer Rhythmusgruppe aus Bass, Schlagzeug und Klavier. Jede Stimme ist nur einmal besetzt, so will es das Reglement für Big-Band-Wettbewerbe. Auch Anfänger sind willkommen. «Ich schreibe das genaue Arrangement für jedes Kind, denn ich kenne seine Stärken genau», erzählt Gebel. «Wichtig ist: Ein Anfänger muss fühlen, dass er dabei ist, sonst verspürt er bald keine Lust mehr.» Und Reichel ergänzt: «Es kommt darauf an, dass jeder seine Fähigkeiten einbringt.» Mitspieler sind ohnehin rar. «Wir haben zu wenig Schüler, um auswählen zu können», sagt der Musikschulleiter. Demnächst dürfte aber ein Platz frei werden: Pianistin Carolin denkt ans Aufhören, spätestens nach dem Abitur im kommenden Jahr. |
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