Jazz-Diva Melody Gardot in Frankfurt21.05.2009 11:05 Frankfurt/Main Berichte über Melody Gardot widmen sich oft dem schweren Schicksal der 24-Jährigen. Bemerkenswert ist aber vor allem das Talent der Jazzsängerin, Pianistin und Gitarristin aus Philadelphia, der nach einem fast tödlichen Verkehrsunfall eine Musiktherapie zur Karriere verhalf. Bei ihrem einzigen regulären Deutschlandkonzert am Mittwochabend in Frankfurt präsentierte sie sich als vielseitiges Ausnahmetalent sowie als gewitzte und divenhafte Entertainerin. Sie schuf in dem mit siebenhundert Besuchern ausverkauften Mozart-Saal der Alten Oper eine intim-verruchte Jazzclub-Atmosphäre. Gardot begeisterte während des eineinhalbstündigen Konzerts mit ihrer sehr jazzigen Musik, die über Strecken herrlich altmodisch klang, ohne je verstaubt zu wirken. Einfallsreichtum zeigt das junge Multitalent nicht nur bei eigenen Songs von ihren bisher erschienenen Alben «My One And Only Thrill» und «Worrisome Heart», sondern auch bei der frischen Interpretation von Klassikern. «Somewhere Over The Rainbow» bekam in einer Bossa-Nova-Version neuen Pepp. Die einzigartige Stimme der wandlungsfähigen Sängerin klang abwechselnd lasziv, keck, tieftraurig oder schmachtend und erinnerte zuweilen an Nina Simone. Begeistern konnte die Künstlerin ihr Publikum auch durch ihr Auftreten. Berichten zufolge sind Schmerzen ein ständiger Begleiter, doch sie unterhielt mit Witz und Schlagfertigkeit und ging körperbetont und mit hochhackigen Schuhen in die Offensive, statt sich dem Selbstmitleid hinzugeben. Gardot gibt sich als sexhungrige («Sind Kinder hier im Saal? Was ich so sehr an Beziehungen mag, ist ... Sex!») und vor Selbstbewusstsein strotzende junge Frau («Da hat wohl gerade jemand etwas lustiges gesagt, aber ich habe es nicht verstanden. Sie sind übrigens auch gar nicht an der Reihe«). Ihre lockeren und bisweilen anzüglichen Sprüche bildeten den Kontrast zu einer sehr intensiven und ernsthaften Art, die Songs zu singen und zu spielen. Begleitet wurde sie von einer fulminanten Band mit Bläsern, Kontrabass, Schlagzeug und Vibraphon. Gardots persönlicher Alptraum als 19-jährige Modestudentin wurde sie von einem Jeep überfahren und erlitt schwerste Kopf- und Beckenverletzungen hat sich nach einer langen Leidenszeit dank einer rettenden Musiktherapie in ein Märchen verwandelt. Sie hat zu Hause Songs aufgenommen, die ein Freund dann heimlich ins Netz stellte. Daraufhin wurde sie entdeckt. |
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