Bunter und älter: Wave-Gotik-Treffen im Wandel01.06.2009 14:06 Leipzig - Schwarze Masken, weite Reifröcke und viel, viel Schminke: Rund 20 000 Gothic-Fans aus aller Welt haben beim 18. Wave- Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig ihre Kultur und Musik gefeiert. Durch das exotische Äußere waren sich die Teilnehmer am Pfingstwochenende der ungeteilten Aufmerksamkeit gewiss - auch den Einheimischen und Geschäftsleuten sind sie inzwischen herzlich willkommen. «Es war wieder der Kern der internationalen Szene da», sagte WGT-Sprecher Cornelius Brach am Montag zum Abschluss. Sogar aus Australien, Südafrika, Mexiko und Israel seien Gäste angereist. Außer den gut 190 Konzerten von Szene-Bands auf dem Agra- Messegelände gab es kulturelles Rahmenprogramm. Rund 30 Einrichtungen boten Lesungen, Aufführungen und Klassik. Etwa den schaurig- romantischen «Fliegenden Holländer» oder ein Mozart-Konzert am Völkerschlachtdenkmal. Die Resonanz sei hervorragend gewesen. «Es zeigt, dass das Interesse der Leute über die Szene-Konzerte hinausgeht und gibt uns recht, ein breiteres Programm zu machen», sagte Brach. Auf der Flaniermeile vor der Agra-Halle dominierte nicht mehr allein Schwarz das Bild: Pinker Plüsch, neongrüne Kunstwimpern und knallrote Pumps deuten neue Szenetrends an. Neben den klassischen Gothic treten Horror-Punks oder Cyber-Goths. Kathi Mann, die im dritten Jahr aus Coburg anreiste, trägt neongrüne Netzstrümpfe und Kunsthaar und zählt sich zu Letzteren. «Bei uns im Dorf gucken die Leute komisch, aber hier sind wir unter uns.» Ihr Freund Daniel Zinn hat sich im Baumarkt «goggles», die für den Cybergoth typischen Schweißerbrillen, besorgt. Mit anderen Gruppen gebe es keine Probleme: «Kleidung und Musik sind total unterschiedlich, aber wir haben ja alle das gleiche Interesse.» Für ihr erstes WGT sind Debra Jones und Alison Ancrobus eigens aus Liverpool eingeflogen. Und das, obwohl die beiden schon seit den 80er Jahren in der Szene aktiv sind. «Das Festival ist fantastisch, es ist ein sehr positiver Vibe.» Zwar trägt die 42-Jährige Debra ihr Gothic- Outfit auch im Alltag, aber erst auf einem Festival unter Gleichgesinnten fühlt sich die gelernte Krankenschwester anerkannt. Neuheiten gab es nicht nur beim Outfit. Die Altersunterschiede zwischen den Teilnehmern werden nach der Beobachtung von Brach größer. Es kommen ganz junge Menschen, aber auch Eltern mit ihren Kindern. Für letztere wurde ein Kindergarten eingerichtet. Durch seine tausenden Besucher ist das weltweit größte Treffen dieser Art auch für den Tourismus in der Stadt wichtig. Für viele sei das WGT der Jahresurlaub, an dem man sich ein Bett im Hotel und gutes Essen gönne, berichtete die Mitarbeiterin eines Leipziger Hotels. In diesem Jahr spüre sie einen Rückgang bei den Buchungen, dennoch seien 75 Prozent ihrer derzeitigen Gäste «schwarz». «Wir machen sonst nur Weihnachten und Silvester so viel Umsatz», ergänzt Taxifahrer Steffen Ullmann. Es liege an den vielen Veranstaltungen, die über die ganze Stadt verteilt und per Straßenbahn nur schwer erreichbar sind. Eine Passantin ist begeistert von der Atmosphäre, die die Gothics in die Stadt bringen. «Mich regt nur auf, dass manche Supermärkte die Preise anziehen.» |
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