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musiknews  
 

Mika taucht häufiger ab


10.10.2009 11:10

London - Popsänger Mika flüchtet aus Angst vor Kritik an seiner Musik häufiger in Scheinwelten. «Ich schreibe meine Lieder immer in Isolation», sagte der gebürtige Libanese in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in London.


Mika

Mika geht seinen eigenen Weg.

«Vergleiche und Wettbewerb sind die schwierigsten Dinge im Leben. Ich muss mich abschotten und mich selbst beschützen.» Diese Taktik hat ihm nach dem Debüt nun erneut Erfolg beschert: Das zweite Album «The Boy Who Knew Too Much» startete auf Platz 6 in den aktuellen Charts, die Single «We Are Golden» lag anfangs auf Rang 4.

Für die Arbeit an den neuen Liedern hatte sich der Wahl-Londoner erneut nach Los Angeles zurückgezogen. «Ich wollte an den Ort zurückkehren, wo ich mein erstes Album geschrieben habe», sagte der 26-Jährige, der in den Scheinwelten auch sein Alter ändert. «Diesmal nahm ich die Perspektive eines 16-Jährigen ein. Die Themen waren persönlicher.» Unter kalifornischer Sonne und inmitten des Flairs der US-Megametropole sei das Komponieren erst langsam losgegangen. Schließlich schuf Mika 48 Lieder für die Vorauswahl. «Ich habe mich gefühlt, als ob ich Songs jage. Ich saß vor einem Klavier, daneben lagen eine Zeitung, Comic-Bücher und sogar Werbeanzeigen, die mich inspirierten.»

«In dem Raum bin ich völlig in mich selbst versunken - so unschuldig und unvoreingenommen wie ein zwölfjähriges Mädchen», sagte der Popsänger mit der hohen, weiblichen Stimme lächelnd. «Man muss da so einen ungeschützten Mechanismus entwickeln. Ich bin dann herumgelaufen, als ob ich Demenzanfälle hätte, völlig orientierungslos. Dieses Risiko hab ich erneut auf mich genommen.»

Für sein Debütalbum «Life In Cartoon Motion» sei er zweieinhalb Jahre durch die Welt gereist. «Das war angenehm ablenkend und sehr beschützend, ich hatte keine Angst davor, was die Leute über mich sagen», sagte Mika, der vollständig Michael Holbrook Penniman heißt. «Nachnamen sind doof. Ich mag meinen nicht.»

In der Welt der Promis will sich der Popstar jedoch nicht verirren. «Man kann sich selbst berühmt fühlen, indem man sich mit Promis umgibt oder man kann es lassen. Letzteres ist gesünder, um kreativ zu sein.» Mikas Kreativität stammt - das wird beim Anblick des Albumcovers schnell klar - vor allem aus der Welt der Comics. «Ich bin besessen von Comic-Büchern. Comic und Popmusik sind ja auch ähnliche Formen der Kunst.» In seinen Liedern schreibe er über «poetisch-surreale» Charaktere, die es auch in der Comic-Welt geben könnte. «Mich interessieren die Unschuld, die Naivität, die Märchen, manchmal mehr brutale Schauergeschichten.»

Obwohl Mika als Zwölfjähriger mit der Musik begann, habe zunächst nichts darauf hingedeutet, dass er in der Branche selbst landet. «Meine verrückte libanesische Großmutter wollte, dass ich Arzt oder Anwalt werde.» Dann meldete er sich aber zum Geografie- und Ökonomie-Studium an einer Londoner Eliteuniversität an. Zwei Wochen bevor das Semester startete, zog er zurück. «Ich musste was machen, aber nicht das. Ich überlegte mir also, was ich am besten kann - und das ist Musik.»

 
 
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