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Cartoonband Gorillaz: Leinwandhelden live in London


30.04.2010 11:04

London - Popkonzerte sind oft monoton: Der Künstler kommt heraus, leiert seine Lieder herunter und fertig. Jüngere Musikstars wie Amy Macdonald gehen gern auch mal nach einer knappen Stunde von der Bühne.


Gorillaz

Schräge Truppe: Damon Albarn und seine Gorillaz. (Bild: EMI Music LTD/Jamie Hewlett)

Selten hinterlassen Popmusiker einen derart bleibenden Eindruck wie die britische Cartoonband Gorillaz von Britpop-Pionier und Blur-Frontmann Damon Albarn. Am Donnerstagabend war es mal wieder soweit - im Londoner Roundhouse. Dort gab schon Robbie Williams im vergangenen Herbst sein Comeback.

Auftritte der Gorillaz sind große Ereignisse zeitgenössischer Musikkultur - ihnen wird sehr entgegengefiebert. Ihr letztes Konzert gaben sie vor vier Jahren im New Yorker Apollo Theater. Dabei sind die Cartoon-Charaktere überhaupt nicht echt. Es gibt sie nur in der zweidimensionalen, visuellen Welt. So kommt die Frage auf, was im Pop überhaupt echt ist.

Für die Musik brauchen dann aber auch die Gorillaz Menschen. In Matrosenanzügen bedienen sie vor leuchtenden, mannshohen Buchstaben zwei Schlagzeuge, drei Keyboards, sechs Geigen, Cello, Kontrabass, Bass-, Elektro- und Akustik-Gitarre. Beiläufig tauchen Gaststars wie Neneh Cherry und Mos Def auf der Bühne auf. Über ihren Köpfen, auf bühnenbreiter Leinwand, flimmern Videos, Animationen und Comic-Zeichnungen.

Den Abend eröffnet auf der Leinwand ein Flug zu einer fiktiven Insel, die wie ein Pilz aus dem Meer ragt. Der finster blickende «Rapper-Admiral» Snoop Dogg gibt den musikalischen Auftakt. Dazu schwenkt Albarn auf der Bühne mit einer weißen Fahne. Der geistige Kopf der Truppe steht, sitzt, kniet am Keyboard oder brüllt in ein Megafon.

Und so schafft es Albarn, mit einem Streifzug vom Konzeptalbum «Gorillaz» über «Demon Days» bis zur aktuellen Platte «Plastic Beach» eine Art Konzeptkonzert auf die Beine zu stellen. Die Show ist audio-visuell minutiös abgestimmt. Sie mäandert zwischen Leinwand und Leben und fordert die Sinne heraus.

Auf die Ohren prasseln unterschiedliche Lautstärken nieder, unverfälschte und verzerrte Töne sowie eine musikalische Brücke zwischen fernöstlichem Gefiedel und Rap. Die Augen sehen Gelb und Pink, Totenköpfe oder eben die Helden der Leinwand: 2-D (Albarn), Murdoc (Cartoonist James Hewlett), Russel und Noodle sowie Menschen wie Actionheld Bruce Willis während des Lieds «Stylo».

Weltmusik vereint Weltkultur: Filmschnipsel aus der globalen Fast-Food-Kultur - von Big Mac bis süß-sauer - sind zu sehen. Waffen und Gewalt bestimmen die Animationen. Videos zeigen abgeschossene Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg. Fast romantisch wirkt eine schäumende, gelbe Flüssigkeit, die durch einen Badewannenabfluss rinnt - zwei Bierflaschen rollen schließlich ins Bild. Die Gorillaz zeigen gesellschaftliche Probleme, ohne sie lösen zu wollen.

Die 3000 Zuschauer sind bei den Hits «Clint Eastwood» und «Feel Good Inc.» aus dem Häuschen. Voller Staunen hängen ihre Unterkiefer so starr herunter wie im Gesicht von 2-D. Ihr Blick wandert - von den Choreographen gesteuert - immer zwischen Leinwand und Bühne hin und her, je nachdem wo gerade mehr passiert. Am Freitagabend sollten die Gorillaz noch einmal auftreten. Mit dieser Show dürften die Leinwandhelden bald auch auf Tour gehen. Fest steht das jedoch nicht.

 
 
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