Tocotronic: Konzert für Ernst Bloch06.06.2010 10:06 Ludwigshafen - Am Ende klingeln den Besuchern die Ohren. Und das im Ludwigshafener Ernst-Bloch-Zentrum, wo sonst doch eher philosophische Fragen gewälzt werden, in aller Stille. Die Band Tocotronic spielt dem Philosophen Ernst Bloch (1885-1977) ein lautstarkes Geburtstagskonzert. Er wäre am 8. Juli 125 Jahre alt geworden. Zuvor macht sich der Autor Dietmar Dath Gedanken über den Pop und Blochs Philosophie. Warum gerade Tocotronic? Der Leiter des Ernst-Bloch-Archivs, Frank Degler, sieht «inhaltliche und ästhetische Parallelen zwischen der pointierten Schreibweise Blochs und den Texten von Tocotronic». Außerdem stehe die Band für intelligente deutsche Texte. Soll wohl heißen: Intelligente Texte und Philosophie - das passt. Dem Popexperten Dath kommt die Aufgabe zu, den Bogen zu schlagen zwischen dem Pop und der Philosophie. Seine These: Der Reiz des Pop liege letztlich in seinem Glücksversprechen. Und so kommt Dath zur Hoffnung, einem zentralen Begriff in Blochs Werken, von denen das bekannteste «Das Prinzip Hoffnung» ist. Darin geht es um das «Noch-Nicht», wie es sich etwa in Utopien manifestiert. Soviel zum theoretischen Teil. Dann tritt die Band auf die Bühne und macht knapp zwei Stunden Programm. Neuere Songs wie «Eure Liebe tötet mich» und «Die Folter endet nie» vom aktuellen Album «Schall & Wahn». Aber auch ältere Lieder wie «Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit» vom 1995 erschienen Album «Digital ist besser». Diesen Song findet Sänger Dirk von Lowtzow dann auch irgendwie Bloch-mäßig. Schließlich gehe es darin um Hoffnung und Desillusionierung. Ansonsten macht der Sänger an diesem Abend das einzig Richtige: Er nimmt das mit dem Pop und der Philosophie nicht so ernst. Er hoffe, Ernst Bloch finde das Konzert auch gut «da oben, auf seiner Wolke», sagt er einmal. Und das jubelnde Publikum lobt er mit dem Satz «Ernst Bloch wäre stolz auf Euch.» Die Zuhörer sind begeistert. Von der Musik vor allem, womöglich auch von den Texten der Band, die vielleicht auch etwas philosophisch sind. Tocotronic-Sänger von Lowtzow hält eh nicht so viel davon, wenn dies oder jenes in seine Texte hineingelesen wird. Die Texte seien «nicht da, um interpretiert zu werden», sagte er kürzlich in einem Interview mit «Focus Online». Und weiter: «Ich finde es besser, zu der Musik und zu den Texten zu tanzen, zu knutschen oder etwas dazu kaputt zu schlagen, als daran herum zu interpretieren.» |
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