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Blues ohne Ende: B.B. King noch mit 85 auf Tour


15.09.2010 12:09

New York - Verabschiedet hatte sich B.B. King schon vor sechs Jahren. In Deutschland sagte er 2005 das erste Mal Lebewohl. Ein Jahr später führte ihn seine «Final-Farewell-Tour» einmal wieder durch ganz Europa. «So lange mich das Publikum sehen will, werde ich auch auftreten», sagt er heute.


B.B. King

B.B. King ist unermüdlich unterwegs.

Fragil und gehbehindert, aber weiter sprühend vor Witz und Energie steht die Blueslegende noch fast jeden zweiten Abend auf einer Bühne. Eine echte Leistung angesichts seines Alters: An diesem Donnerstag feiert King seinen 85. Geburtstag.

Amarillo (Texas), Biloxi (Mississippi), Memphis und Nashville (Tennessee), Calgary und Ottawa (Kanada) sind unter den nächsten Stationen, 17 Auftritte allein im November. Mit «Lucille», wie er seine Gitarren liebevoll nennt, spielt und singt der schwarze Amerikaner den Blues heute noch genau so, wie er ihn als Kind im Mississippi-Delta gehört hat. Nur eins übertreffe «Lucille», gestand der «König des Blues» seinem Biografen: «Richtiger Sex mit einer richtigen Frau».

Seine beiden Ehen scheiterten, vor allem wohl, weil er immer auf Achse war. 15 Kinder soll er gezeugt haben, mit 15 verschiedenen Frauen, nicht ein einziges ehelich. «Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu den Müttern meiner Kinder - vorher, währenddessen und hinterher», prahlt der Schwerenöter.

Obwohl Blues, die Urform des Jazz, sein Leben ist, macht es ihm zu schaffen, «nur» als Bluesmusiker geschätzt zu werden. «Blues-Sänger zu sein ist so, als ob man gleich zwei Mal schwarz wäre», heißt es in seiner Biografie («B.B. King: Ein Leben mit dem Blues»). Mit Bewunderung blicke er zu Jazz-Kollegen wie Dizzy Gillespie, Miles Davis und Charlie Parker auf. Wie sie spielen, ginge schlicht über seinen Horizont. «Blues ist eine einfache Musik», sagt er, «und ich bin ein einfacher Mann».

Geboren wurde Riley B. King am 16. September 1925 als Sohn armer Plantagenarbeiter in Indianola (Mississippi). Sein Vater verlässt die Familie, als er vier ist. Die Mutter stirbt bald darauf. Schwere Feldarbeit hilft dem Jungen zu überleben. Er singt in Gospelchors, bringt sich selbst das Gitarrespielen bei und zieht schließlich für ein paar lausige Dollar von einer Südstaaten-Kaschemme zur anderen.

Den kraftvollen Anschlag aus dem Handgelenk und die langen Läufe, die seine Gibson zum Jauchzen bringen, hatte King schon ganz gut drauf, als er Ende der 40er Jahre nach Memphis ging. Dort engagierte man ihn als den «Blues Boy» für eine Radio-Show. Aus «Blues Boy» wurde B.B. - King hieß er ja sowieso schon.

Und den Titel «The King of the Blues», den er sich selbst mit einem gleichnamigen Album zulegt, macht ihm spätestens seit 1987 keiner mehr streitig: 62-jährig erhielt B. B. King den Lebenswerk-Grammy. Dass er sein Repertoire auch 23 Jahre später noch anreichern würde, ahnte damals niemand.

Den Durchbruch hatte King schon Ende der 60er Jahre mit seiner Erfolgsnummer «The Thrill Is Gone» geschafft. Über Nacht wollte alle Welt seinen Blues hören. King wurde zur Gartenparty der britischen Queen eingeladen, zum Empfang im Weißen Haus. Schwedens König Carl XVI. Gustaf verlieh ihm den vornehmen Polar-Musikpreis. Heute ist der einstige Blues Boy Multimillionär mit vier Ehrendoktorwürden.

Ohne B.B. King hätte der Blues vielleicht nie das Image der Arme-Schlucker-Musik aus den Schwarzen-Ghettos abgestreift. Er beobachtete derweil mit wachsender Irritation, wie sich die Jugend für Rock'n'Roll begeisterte. Als Außenseiter fühlte er sich auch, als der Soul aufkam. Inzwischen grämt es ihn, dass die HipHop-Generation «leider oft kein Interesse am echten Blues» hat. Dabei hat er viele Bewunderer, unter ihnen Eric Clapton und John Mayall. Auch John Lennon sagte einmal, er möchte gern Gitarre spielen können wie B.B. King.

 
 
Links zum Thema
Künstler-Informationen zu "B.B. King"
Künstler-Informationen zu "Blues"