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Melody Gardot begeistert als junge Jazz-Diva


25.09.2010 12:09

Berlin - Mal Free-Jazz, mal Blues, mal Chanson, mal Barpiano: Die US-Sängerin Melody Gardot hat am Freitagabend in Berlin mit Vielseitigkeit, Koketterie und laszivem Charme das Publikum begeistert.


Melody Gardot

Melody Gardot präsentierte Lieder aus ihrem aktuellen Album. (Archiv)

Die etwa 1500 Zuschauer im wunderschönen großen Theater des Admiralspalastes feierten die 25-Jährige wie einen Weltstar und applaudierten nach 100 gelungenen Konzertminuten laut und ausdauernd.

Blaue Nebelschwaden hüllen die Bühne ein, auf der vier Jazz-Musiker eine Jamsession beginnen. Gleich mit Beginn des Konzerts wird klar, wohin die Reise geht: Dies wird kein seichter Mainstream-Abend mit Pop-Berieselung, sondern hier hat jemand ernsthaft vor, Musik zu machen.

Dann legt Melody Gardot am Piano los, ihre Stimme tief, erwachsen, von großer Reife - Erinnerungen an große Jazz-Diven der Vergangenheit werden wach. Doch diese Stimmung hält nicht lang an, kurz darauf präsentiert sich Gardot mit «Les Etoils» als echte Chansoneuse. «Fool For Love» wird mit Akustikgitarre zur Singer/Songwriter-Ballade, der Klassiker «Over The Rainbow» erklingt im Bossa-nova-Gewand.

Auch wenn die Musiker ihre Jazz-Improvisationen an diesem Abend manchmal vielleicht etwas übertreiben, und auch wenn Gardot hin und wieder verjazzter rüberkommt, als sie müsste, legt sie einen großartigen Konzertabend hin - ob mit ihren eigenen Liedern vom aktuellen Album «My One And Only Thrill» oder auch mit Klassikern wie «Summertime».

Zwischendurch plaudert die 25-Jährige mit dem Publikum: ungezwungen, keck, charmant, mit anzüglichem Unterton. Nur der Gehstock auf der Bühne und ihre dunkle Brille erinnern an die dramatischen Ereignisse in Gardots Vergangenheit: Mit 19 wurde sie von einem Auto angefahren, erlitt lebensgefährliche Verletzungen und musste lange Zeit im Krankenhaus verbringen. Eine Musiktherapie sollte ihr helfen, das Trauma zu überwinden - und wurde zum Beginn einer erstaunlichen Karriere.

Doch vermutlich ist es der Sängerin aus Philadelphia gar nicht so sehr recht, dass diese Geschichte immer wieder hervorgeholt wird. So selbstbewusst, so zielsicher, so spielerisch agiert sie auf der Bühne, dass sie kein Mitleid verdient, sondern Bewunderung. Ein Naturtalent, kein gepushter Star eines Plattenmultis.

«Der Jazz kommt aus dem Blues, und der Blues kommt immer auch aus dem Schmerz», sagt sie am Ende dieses Abends - vielleicht eine Erklärung dafür, warum Gardot so viel Blues und so viel Herz in ihrem Jazz hat.

Die weiteren beiden Deutschlandkonzerte im Tourneeplan von Gardot sind in München (25.) und Frankfurt/Main (28.).

 
 
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