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Schöner Schwermut-Pop aus Schweden


14.11.2010 17:11

Berlin ­ Dass talentierte Songschreiber in Skandinavien regelrecht auf den Bäumen zu wachsen scheinen, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Das geschmackssichere Hamburger Indie-Label Tapete liefert jetzt mit The Late Call und The Grand Opening gleich zwei neue Beweise für diese These.


The Late Call

Musik für den Herbst: The Late Call.

Die schwedischen Band-Projekte um Johannes Mayer (The Late Call) und John Roger Olsson (The Grand Opening) gießen schwermütige Stimmungen des hohen Nordens in melancholische Töne. Mit der Veröffentlichung der beiden artverwandten Wohlklang-Alben mitten im Herbst liegt die Plattenfirma jedenfalls goldrichtig.

Bereits Ende Oktober erschien mit «You Already Have A Home» das zweite Album von The Late Call. Johannes Mayer hat seine Songwriter-Kunst im Vergleich zum noch etwas unscheinbaren Debüt «Leaving Notes» (2009) weiter verfeinert. Seine Stimme ­ verblüffend nah dran an Mark Eitzel vom American Music Club - und die allgegenwärtige Akustikgitarre unterlegt er mit Piano, Streichern und Bläsern, so dass der Eindruck eines Kammerorchesters entsteht.

Besonders schön kommen Violinen und Celli in den kunstvoll arrangierten Songs «Twenty-Four» und «Don't Leave Me Here» zur Geltung. Manches an The Late Call erinnert an die norwegischen Kings Of Convenience oder Singer/Songwriter-Ikonen wie Simon & Garfunkel, insgesamt aber ist dies ein sehr eigenständiges, selbstbewusstes Stück Schweden-Pop.

Dies gilt auch für The Grand Opening, deren Mastermind John Roger Olsson den Zweitling von The Late Call übrigens mitproduzierte. Sein eigenes, Anfang November erschienenes Album «In The Midst Of Your Drama» geht ebenso reduziert-akustisch zu Werke und erzielt eine ähnlich beruhigende, wärmende Wirkung.

Der Slowmotion-Folkrock des American Music Club oder eines Bill Callahan (Smog) darf auch hier als ehrenvoller Vergleich herhalten. Mit «Habits» und «The Time Remaining» setzt Olsson dem Neil Young der «Harvest»-Periode ein Denkmal. Das von Bläsern und Steelgitarre geprägte «Be Steady» schließlich nähert sich The Late Call so stark an, dass beide Schweden-Bands wie zwei Seiten einer Medaille erscheinen. Ein gelungener Tapete-Doppelpack.