Ian Gillan: «Jede Generation braucht ihre Musik»16.11.2010 15:11 Frankfurt/Main In der wechselvollen Geschichte der 1968 gegründeten Hardrockband Deep Purple war Ian Gillan gleich dreimal als Sänger dabei von 1969 bis 1973, von 1984 bis 1989 und seit 1992 bis heute. Auch im Rentenalter tourt er unermüdlich - bis Ende November ist er mit seiner Band noch in Deutschland unterwegs. Daneben findet der Brite noch Zeit für ein neues Metier: er schreibt an einem Roman, wie er im Interview der Nachrichtenagentur dpa sagte. Deep Purple wurde einmal als lauteste Band der Welt bezeichnet. Wo würden Sie sich heute einordnen? Gillan: «Diese Beschreibung kam nicht von uns, sondern von anderen. Also wird sie wohl objektiv sein. Ich würde uns eine Rockband nennen. Das ist es, was wir immer waren und immer sein werden. Nicht mehr und nicht weniger.» Sie sind 65 da gehen viele Leute in Rente. Was treibt Sie immer noch auf die Bühne? Gillan: «Es ist einfach weiterhin aufregend. Ich spüre immer noch dieses Kribbeln im Bauch. An Konzerttagen geht das immer beim Mittagessen los, wenn ich beginne, daran zu denken, was abends auf der Bühne passieren wird. Ich wüsste auch einfach nicht, was ich ansonsten tun sollte. Ich bin immer am Schreiben, auch unterwegs.» Das klingt, als ob sich Fans Hoffnung auf ein von ihnen sehnsüchtig erwartetes neue Deep-Purple-Album machen könnten? Gillan: «Ich schreibe ja nicht unbedingt für Deep Purple. Ich schreibe zu meinem Vergnügen, zum Beispiel für die Website, oder erledige einfach Büroarbeit. Aber Sie haben recht: Es ist eine Weile her seit unserem letzten Album, nämlich fünf Jahre. Es gibt Überlegungen innerhalb der Band. Vielleicht machen wir nächsten Februar ein neues Album. Ich bin aber auch sehr mit meinem Roman beschäftigt.» Der Frontmann einer der berühmtesten und erfolgreichsten Hardrock-Bands schreibt an einem Roman? Gillan: «Ja, es wird ein Polit-Thriller. Und das ist eine ganz schön knifflige Sache. Als ich vor fünf Jahren damit begonnen habe, ging erstmal alles ganz schnell. Konzept und Thema hatte ich innerhalb von zwei, drei Wochen beisammen. Als es dann aber um Schreibtechnik ging, um Charakterentwicklung und all das, wurde mir klar, dass das doch ganz anders ist als alles, was ich bisher geschrieben habe. Das musste ich erstmal lernen. Aber jetzt gebe ich wieder Gas und nächstes Jahr sollte das Buch erscheinen.» Vorher sind sie auf Tour natürlich auch mit Ihrem Über-Hit «Smoke On The Water». Können Sie «das berühmteste Gitarrenriff der Welt» noch hören oder hängt es Ihnen zum Hals heraus? Gillan: «Ich liebe es. Aber es gehört längst nicht mehr uns, sondern ist zum öffentlichen Eigentum geworden. Als ich mit Pavarotti zusammenarbeitete, wollte er unbedingt «Smoke On The Water» singen. Er meinte, er beneide uns, weil wir die Freiheit haben, diesen Song immer wieder anders zu spielen. Wenn er hingegen in einer Arie nur eine Note verändern würde, würde ihm das keiner verzeihen. Und so ist es: Wir machen aus dem Song immer wieder einen anderen, neuen Song.» Auch Deep Purple war immer wieder anders, immer wieder neu. Es gab unzählige Umbesetzungen, Sie selbst sind bereits zum dritten Mal der Sänger. Im Nachhinein betrachtet: Hat dieses rasante Personalkarussell der Band geschadet oder genutzt? Gillan: «Es war sicher gut für uns. Diese Wechsel waren eigentlich sehr natürliche Entwicklungen, auch wenn manches für Fans und Medien schwer zu verstehen war. Wir waren einfach immer eine Art Familie mit allem, was dazugehört: Hochzeiten, Scheidungen, Kinder, Tod. Jeder Raum braucht irgendwann eine Renovierung. Der Grund, warum Deep Purple alles überlebt hat, ist die solide Basis und die starken Wurzeln, auf der von Anfang an alles stand.» Interessieren Sie sich für aktuelle Musik? Gillan: «Wissen Sie, in meiner Jugend haben meine Eltern Frank Sinatra geliebt. Ich konnte ihn nicht ausstehen. Nicht, weil ich ihn tatsächlich nicht mochte, sondern einfach, weil er nicht meine Generation war. Als dann Elvis kam und meine Mutter oder mein Onkel sagten, wie schrecklich er wäre, war ich glücklich. Jede Generation braucht ihre eigene Musik. Es ist nicht meine Aufgabe, die Musik von heute zu kommentieren.» |
||||
| ||||
|
||||


