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Der King und die Kurstadt - Hessen feiert 70. von Elvis Presley


06.01.2005 12:01

Bad Nauheim/Friedberg - Natürlich ist Zimmer Nummer 10 im Hotel Grunewald längst ausgebucht. Im ehemaligen Schlafgemach des «King of Rock'n'Roll» im mittelhessischen Bad Nauheim können Pilger im Bett ihres Idols liegen, in seiner Badewanne sitzen und auf seinen Balkon treten.


Elvis Presley in Hessen

Elvis Presley (m, mit Gepäck) war im Rahmen seines Militärdienstes in der US-Army im hessischen Friedberg stationiert (undatiertes Archivfoto).

In dem Raum mit Brokatvorhängen, Stuck und hohen Spiegeln, schwärmt Fan Claus Ilge, könne man den Geist von Elvis Presley förmlich spüren. Diesen Geist will die Kurstadt, in der der amerikanische Superstar während der Militärzeit von 1958 bis 1960 residierte, rund um seinen 70. Geburtstag an diesem Samstag (8. Januar) aufleben lassen.

Zur bundesweit größten Feier in den benachbarten Städten Bad Nauheim und Friedberg erwarten die Organisatoren bis zu 10 000 Besucher. Als Höhepunkte der «Birthday Celebration» mit Konzerten, Fackelzug und Stadtführungen auf Elvis' Spuren gelten eine «Las Vegas Elvis Revival Show» und ein Gospel-Konzert mit dem Elvis-Interpreten Rio. In Deutschland werde das Andenken an den King am Wochenende außer in Mittelhessen nur in Hamburg und Göppingen hochgehalten, berichtet Peter Beines von der Elvis-Presley-Gesellschaft in Bonn.

Lieferten sich Bad Nauheim und Friedberg noch vor wenigen Jahren einen bizarren Streit um den Ehrentitel «Deutsche Elvis-Stadt», wollen sie nun gemeinsam mit ihren Elvis-Pfunden wuchern. «Das waren schließlich die einzigen Stationen in seinem Leben außerhalb der USA», betont der stellvertretende Vorsitzende des Elvis-Presley- Vereins Bad Nauheim-Friedberg, Bernd Wittler. In der Friedberger US- Kaserne ließ sich der berühmte Musiker zum Sergeant ausbilden, im nur vier Kilometer entfernten Bad Nauheim hatte er damals gewohnt.

Dass der Mann mit dem lasziven Hüftschwung und der unverkennbaren Rhythm-and-Blues-Stimme im Oktober 1958 ausgerechnet in die Wetterau kam, sei «wie ein Sechser im Lotto» gewesen, erinnert sich Ilge. «Endlich war in der Provinz mal was los - und er war wirklich ein Star zum Anfassen.» Jeden Tag habe er Elvis nach der Schule aufgelauert, die «sagenhafte» Ausstrahlung des GI bewundert und Dutzende Autogramme abgestaubt. Sogar auf seiner Lederjacke landete eine der begehrten Unterschriften, erzählt der 62-Jährige: «Meine Mutter hat prompt versucht, sie mit dem Bimsstein wegzuschrubben.»

Weltbekannte Elvis-Lieder wie «It's Now or Never» seien in einer Villa in Bad Nauheim entstanden, sagt Tourismus-Geschäftsführer Ulrich Schlichthaerle stolz. Und auch zahlreiche Anekdoten kursieren - etwa dass der smarte Sänger so verrückt nach den Marzipantieren aus einem Café in der Kurstadt war, dass er ihnen aus Heißhunger immer gleich den Kopf abbiss. Für Bad Nauheim ist der tote Star nach Schlichthaerles Ansicht die Chance, als «swingende Kurstadt» bekannt zu werden: «Bayreuth hat seinen Wagner, Salzburg den Mozart, und wir haben Elvis.»

Dass der Kult um den King auch mehr als 27 Jahre nach Elvis' Tod blüht, führt Beines auf die musikalische Vielseitigkeit und die «optische Faszination» zurück. «Er hat als Mann absolut toll ausgesehen.» Auf Rita Issberner-Haldane, die Chefin des Hotels Grunewald, machte der Sänger und Schauspieler einen «bescheidenen, sauberen Eindruck»: «Er war ganz Musik.» Für Schlichthaerle dagegen spielt schlicht die geschickte Vermarktung der Ikone die Hauptrolle. «Ich bin daher überzeugt, dass Elvis in hundert Jahren ähnlich bedeutsam sein wird wie heute.»

Eine Legende ist jedoch nur der junge Elvis. An den fettleibigen, mit Tabletten voll gestopften Mann, der im Alter von 42 Jahren tot vor der Toilette gefunden wurde, wollen sich seine Jünger lieber nicht erinnern. Bei der Geburtstagsparty in Mittelhessen fällt das nicht schwer: Schließlich war der Star gerade einmal 23 Jahre alt, als er in Bad Nauheim und Friedberg lebte. «Eigentlich hat man Elvis damals gehasst», verrät Wittler schmunzelnd. «Wenn er gekommen ist, hatte man keinerlei Chancen mehr bei den Frauen.»

 
 
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Künstler-Informationen zu "Elvis Presley"
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