Juli haben den Durchbruch geschafft02.05.2005 15:05 Gießen - Mit ihrem ersten Hit lieferten sie prompt das Motto für das wieder florierende Deutschpop-Geschäft: Auf der «perfekten Welle» schwimmen derzeit sehr viele deutschsprachige Bands, und die Gießener Newcomer Juli mittendrin.
Nach dem eingängigen Wellen-Song und dem Nachfolger «Geile Zeit» ist jetzt mit «Regen und Meer» die dritte Single aus dem mit Gold gekrönten Debütalbum «Es ist Juli» erschienen. Über das Tempo ihres Erfolgs und das neue Leben als Popstars scheinen Sängerin Eva Briegel und ihre vier Jungs selbst noch verblüfft. «Dass so viele Leute wegen uns ein Konzertticket kaufen, das ist geil», sagt Gitarrist Jonas Pfetzing. Wer die Band kennen lernt, bei dem bleibt vor allem ein Eindruck haften: Alle fünf sind unheimlich nett. Schräge Ansichten - Fehlanzeige. Ihr Erfolgsrezept? «Wir versuchen, uns nicht verbiegen zu lassen. Und wir hatten viel Glück.» Berufstraum Popstar? «Wir sehen uns als Musiker, nicht als Popstars. Wir kommen aus dem Probenraum, nicht vom Reißbrett.» Vorbilder? «Als Band haben wir keine Vorbilder, aber wir hören alle unglaublich viel Musik.» Dass sie ständig mit Bands wie Silbermond oder Wir sind Helden in eine «deutsche Schublade» gesteckt werden, stinkt Juli allerdings gewaltig. «Wir sind viel poppiger, als Silbermond je sein wollen. Und wir benutzen viel mehr Bilder und Metaphern in unseren Texten», meint die 26 Jahre alte Eva Briegel. Vor den Silbermond-Vergleichen, erzählt Bandkollege Pfetzing (24), hätten sie sich jahrelang mit Nena-Vergleichen herumgeschlagen: «Aber mit Nena haben wir ungefähr so viel zu tun wie mit Silbermond.» Schlagworte wie «Mainstream-Band» oder «Gute-Laune-Combo» dagegen lassen die fünf Musiker kalt. Es gebe guten und schlechten Mainstream, erklärt die Sängerin. «Musik kann darauf produziert sein, dass sie viele Leute mögen - oder sie ist so gut, dass sie viele Leute mögen.» Klar, dass sich Juli zur zweiten Kategorie zählen. Schließlich hat ihre «Perfekte Welle» - die viele Radiosender nach der Tsunami-Katastrophe in Asien aus dem Programm nahmen - Gold-Status, mit «Geile Zeit» holte die Band den ersten Platz im Bundesvision Song Contest von Stefan Raab, und «Es ist Juli» stieg gleich auf Platz drei in den deutschen Album-Charts ein. Dennoch bemühen sich die Jungstars nach Kräften um den Eindruck, sie seien auf dem Teppich geblieben. «Wir wissen sehr gut, wie es ist, wenn man keinen Erfolg hat: Da müssen wir nur wenige Monate zurückschauen und die Jahre davor angucken», erzählt Gitarrist Simon Triebel (23). Seit Ende der 90er Jahre machen Eva, Jonas, Simon, Schlagzeuger Marcel Römer (23) und Bassist Andreas Herde (22) zusammen Musik - zunächst als Gruppe Sunnyglade mit englischen Texten, später als Juli mit hübschem deutschem Pop. 2003 unterschrieben sie ihren ersten Plattenvertrag, inzwischen gehen sie auf ausgedehnte Konzerttourneen quer durch Deutschland. Der künstlerische Direktor der Popakademie Mannheim, Udo Dahmen, sagt Bands wie Juli und Wir sind Helden eine rosige Zukunft voraus: «Ein so großer Erfolg lässt sich nicht einfach einstampfen.» Bei deutschsprachigen Bands gebe es derzeit eine «breit gefächerte Entwicklung von qualitativ hochwertigen Texten und sehr, sehr guter Musik». «Wir erleben die erste Generation, die nicht mehr mit der Stigmatisierung der deutschen Sprache und dem Diktat der angloamerikanischen Popmusik kämpfen muss.» Das zeigt auch die Statistik des Bundesverbandes der phonographischen Wirtschaft: Der Anteil deutscher Produktionen an den Album-Charts erreichte 2004 mit gut 30 Prozent einen Rekordwert. «Nicht einmal während der Neuen Deutschen Welle in den 80er Jahren gab es einen solchen Anteil», sagt ein Verbandssprecher. Juli arbeiten nun an ihrer zweiten CD. «Wir werden nochmal ein gutes Album machen», erklärt Jonas selbstbewusst. «Und es erst rausbringen, wenn es besser ist als das erste.» Geprobt wird häufig noch in der Heimatstadt in Mittelhessen. «Der Berlin-Hype ist doch total übertrieben», meint Eva. «Mittlerweile macht es mir sehr viel Spaß zu sagen: Wir kommen aus Gießen, wir bleiben in Gießen.» |
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