Jazzsänger Philipp Weiss schmeichelt der Seele13.05.2005 14:05 München - Fern der bayerischer Gemütlichkeit tritt der Münchner Jazzsänger Philipp Weiss ans Mikrofon und legt bei seinem CD-Debüt ein musikalisch wie inhaltlich abwechslungsreiches Album vor.
Die elf Titel von «Philipp Weiss feat. The Steve Kuhn Trio» sind wahre Seelenschmeichler, ohne dabei zu dick aufzutragen. Bei dezenter Begleitung im Pianobar-Stil ruht der Fokus auf der Stimme, die trotz der jungen 33 Jahre an Tony Bennett erinnert. «In einer Zeit, in der man schon denken könnte, dass es kaum noch etwas gibt, was den Ohren würdig wäre, gebe ich Ihnen hier Musik, die mit einer jazzigen Klarheit gemacht ist, gesungen von einem Ort, den Sänger vergessen zu haben scheinen - dem Herzen», schreibt der Jazzvokalist Mark Murphy in seinem Gratulationstext zu Weiss' «You Must Believe in Spring». Entstanden ist diese Herzensangelegenheit an einem Sommertag in New York. Gemeinsam mit dem Pianisten Steve Kuhn und seinem Trio, sowie Gästen wie dem Trompeter Lew Soloff, dem Saxophonisten Eric Alexander und dem Flügelhornisten Tim Bolden, bringt Weiss zehn Standards sowie die Eigenkomposition «She Brought Me Back» zu Gehör. Philipp Weiss entstammt einer musikalischen Münchner Familie, der Vater spielte Jazzgitarre und selbst die Wandergitarre des Großvaters existiert noch. «Singen fand ich früher furchtbar», sagt Weiss heute. «Als alle anderen Kinderlieder gesungen haben, wollte ich lieber am Klavier sitzen. Oder ich bin in den Keller gegangen und habe Radio oder die alten Hans-Albers-Platten meines Vaters gehört.» Später entdeckte er am Piano die ersten Dreiklänge und ersten Dissonanzen - ein Tor zur Jazzwelt tat sich auf. In der Schule übte er sich in Xylophon, später verlor er sich im Klavierspiel; 1997 begann er ein Gesangsstudium am Richard Strauss Konservatorium München. Philipp Weiss und Steve Kuhn - letzterer lehnt Sänger normalerweise kategorisch ab - ergänzen sich auf diesem Album, das das Produkt einer sechseinhalbstündigen Studiosession ist. Kuhn hat den Raum zu Soli, brilliert wie gewohnt, doch gemeinsam mit Weiss eröffnen sich neue Dimensionen wie in «My Foolish Heart» klar wird. Erst nach fast zwei Minuten, in denen Kuhn den dramatischen Boden bereitet, setzt Weiss prononciert ein, bald kommen Bass und Drums hinzu. So stimmt es fast schon traurig, wenn der elfte Titel «Everytime We Say Goodbye» auf dem Display des CD-Spielers erscheint. |
|||||
| |||||
|
|||||


