Neues Buch von «Panik»-Maler Udo Lindenberg10.05.2005 12:05 Hamburg - Wenn Rockmusiker Udo Lindenberg (58) über seine andere Leidenschaft - die Malerei - spricht, zitiert er gern den «highligen Panik-Geist»: «Es nicht gelernt zu haben, es dennoch zu tun, darin besteht die Chance zu wirklich Neuem.»
Eine Aufforderung, der sich der in Hamburg lebende Künstler schon seit Beginn seiner Karriere unbeirrt stellt - seit mehr als drei Jahrzehnten als Sänger, seit zehn Jahren nun auch als Maler. Kritik habe ihn noch nie von etwas abgehalten, sagt der Musiker, der an seinem 59. Geburtstag (17. Mai) in einem Buch das persönliche Resümeé seiner Malerei vorlegt. Udo nimmt es mit Humor: «Singen kann er nicht, dafür kann er auch nicht malen.» Dabei nimmt die Malerei, die mit gelegentlichen «Udogrammen» - ironischen Selbstporträts - begann, inzwischen immer mehr Platz im Leben des Rockstars ein. Längst malt er nicht nur an der Bar seines Heimat-Hotels «Atlantic», in dem der prominente Hutträger seit Mitte der 90er Jahre lebt, sondern bringt seine Bilder im eigenen Dachatelier zu Papier. «Die Ideen zu meinen Motiven kommen mir überall. Es malt einfach durch mich hindurch», erzählt er. Nur eine Bedingung scheint es für den «Panik-Geist» zu geben: Draußen muss es dunkel sein. «Ich arbeite nun einmal nur nachts, gehe nie vor 6.00 Uhr morgens ins Bett.» Und trotz so mancher Alkoholexzesse und Partys - die Kreativität als Maler hat er sich erhalten. Unzählige Gemälde, Collagen, Comics und Zeichnungen sind seit den «kosmischen Anfängen» 1995 - inspiriert von Texten seines «Kosmos»- Albums - entstanden, 16 Ausstellungen zeigten die andere Seite des «Panik-Rockers». Sein Geburtstagsgeschenk an sich selbst, das 288 Seiten und 300 Abbildungen umfassende Buch «Udo Lindenberg - Das Lindenwerk» (Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 49,90 Euro), vereint die schönsten Werke. «Dass sich das so entwickelt, hätte ich nie geglaubt. Eigentlich waren die Rollen in unserer Familie klar verteilt», meint der gebürtige Gronauer, dessen Bruder Erich als Maler in München lebt. Ermutigt habe ihn der Satz von Joseph Beuys, jeder Mensch könne ein Künstler sein. Udo: «Geheiligt sei die phantastereibeflügelte Hausfrau.» Seine eigenen Fantasien machen auch beim Malen vor nichts Halt. Zunächst nahmen «Panikfiguren» wie Rudi Ratlos oder Elli Pyrelli Gestalt an. Später scheute der stets auch gesellschaftlich wie politisch engagierte Sänger auch große Themen wie «Die zehn Gebote» oder «Faust» nicht. Spielerisch, ironisch, unbefangen griff er mit unterschiedlichsten Ideen zum Pinsel, blieb sich dabei aber immer - wie auch in Musik und Show - treu. Unverwechselbar wie der Nuschelgesang und das Outfit des Rockers sind auch seine Malereien. Und die «Lindenwerke» fänden immer mehr Käufer, berichtet der Künstler. «Ist doch eine super "Panik-Rente", jedes Bild wird mal ein Vermögen wert sein.» Besonders beliebt sind die so genannten Likörelle - Udos patentierte Malereien in Alkohol, die für rund 700 Euro zu haben sind. «Die knallbunten Likörfarben eignen sich super zum Malen, mit meinem Lieblingsgetränk Eierlikör blondiere ich immer.» Ein weiteres Highlight aus dem Lindenberg-Atelier soll ebenfalls bald wieder zum Einsatz kommen - der «Ejakulator», ein Farben spritzendes Schlagzeug. Einige Werke dagegen werden seine Fans wohl nie zu sehen bekommen: Bilder von Freunden und verflossenen Lieben. «Die verkaufe ich nie, sind zu privat», sagt Udo. |
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