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Schandmaul stürmen mit deutschem Mittelalter-Pop in die Charts


12.08.2005 12:08

Hamburg - Sie haben einen fiesen Namen, sind aber eigentlich eine richtig nette Band. Schandmaul nennen sich die sechs Musiker aus der Nähe von München, die mit ihrem Mix aus deutschen Texten, Folkrock-Klängen und mittelalterlichen Instrumenten gerade in die deutschen Charts gestürmt sind.


Und das, obwohl man nie einen Song von ihnen im Radio hört. «Anfangs waren wir sehr böse darüber», sagt Sänger Thomas Lindner im dpa-Gespräch. «Wir freuen uns natürlich, dass deutsche Bands wie Sportfreunde Stiller und Wir sind Helden im Radio gespielt werden, aber es ist traurig, dass unsere Szene gar nicht vorkommt.»

Die Szene, das sind ganz normale Leute und Fantasy-Mittelalter-Fans, die Mythologie und «Herr der Ringe» mögen, ebenso wie Wave- und Gothic-Anhänger, auch wenn Schandmaul gar nicht düster, sondern beschwingt und optimistisch klingen. «Wir erzählen einerseits Märchen in unseren Liedern, aber auch zeitlose Geschichten, die wir in ein Mittelalter-Gewand verpacken», erklärt Lindner. Instrumente wie Dudelsack, Drehleier oder Schalmeien tun ihr Übriges, um den Hörer mehr als 500 Jahre in die Vergangenheit zu versetzen.

Seit sieben Jahren besetzen Schandmaul diese Nische schon und freuen sich mittlerweile über ausverkaufte Konzerte in ganz Deutschland, eine «langfristige Fanbase» und Platz zwölf in den Albumcharts, den sie mit der neuen Platte «Kunststück» auf Anhieb erobert hatten. Es ist ein Live-Album der besonderen Art: Mit einem klassischen Orchester - dem Puchheimer Jugendkammerorchester - standen Schandmaul im April 2005 auf der Bühne des Circus Krone in München. «Da hat sich jeder von uns seinen persönlichen Traum erfüllt. Das war ein bisschen wie Alice im Wunderland», meint Sängerin Birgit Muggenthaler, die unter anderem Dudelsack spielt.

Auch für die jungen Kammermusiker sei der Aufritt sicher etwas Spezielles gewesen. «Die haben das Ganze erst kapiert, als sie auf die Bühne kamen und tosenden Applaus bekamen», meint Gitarrist Martin «Ducky» Duckstein. Den Jüngsten, einen zehnjährigen Geiger, habe es am härtesten erwischt - «der will jetzt Rockmusiker werden», sagt Lindner grinsend. Mehrere tausend Schandmaul-Fans waren nach München gekommen, um ihre Idole live zu hören. Im Herbst gibt es das Ganze etwas kleiner, wenn Schandmaul mit zwölf Musikern auf große Deutschlandtour gehen. Danach folgt ein Album mit neuen Songs.

Doch so lange steht «Kunststück» als Live-CD und -DVD (Platz drei der DVD-Charts) sowie als limitierte Doppelausgabe für «Hardcore-Fans» in den Plattenläden. Als Bonusmaterial findet sich auf der DVD auch ein Beitrag über das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung in Heidelberg, das Schandmaul unterstützen.

«Wir können uns als Musiker gut damit identifizieren», sagt «Ducky», nachdem die Band das Zentrum besucht und mit Therapeuten und Patienten musiziert hat. Dort wird versucht, mit Musik so unterschiedliche Leiden zu kurieren wie Tinnitus, Migräne oder Depressionen, sprachbehinderte Menschen lernen, sich über die Musik auszudrücken. «Wir machen PR für die Einrichtung und sammeln Geld für etwas, an das wir glauben.»

So werde auch das Geld aus dem Verkauf der ungeliebten Klingeltöne gespendet. «Wir wollten diesen Hype eigentlich nicht mitmachen», sagt Lindner. «Aber dann kamen die Fans und wollten unbedingt Klingeltöne haben.» Dabei gebe es aber viele Probleme: Die Songs hörten sich meist schlecht an, und es gebe häufig technische Macken. «Wir sind aber nicht nur künstlerisch dagegen, sondern auch menschlich. Da wird den Jugendlichen das Geld aus der Tasche gezogen, das ist die reine Abzocke.» Deswegen gebe es Schandmaul-Klingeltöne auch nicht im Abo, sondern nur einzeln. «Und wenn die Qualität schlecht ist, schimpfen wir, und dann wird das geändert!»

 
 
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