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Johnny Cash «The Legend»: Opulente CD-Box


07.09.2005 16:09

Hamburg - Johnny Cash hat nie viele Kompromisse gemacht, und seine Fans haben ihn dafür geliebt. Nach über 40 Jahren einer beispiellosen Karriere mit allen Höhen und Tiefen erwartete niemand mehr Bahnbrechendes von der Country-Ikone, als Cash ab Mitte der 90er Jahre mit den «American Recordings» ein Riesen-Comeback feierte und zu seinen traditionellen Fans zehntausende neue, junge Anhänger auch in Europa fand. Cash starb am 12. September 2003, im Mai des selben Jahres war seine Ehefrau, die Sängerin June Carter Cash, gestorben.


Johnny Cash

Johnny Cash ist längst eine Legende (Archivbild von Juli 1994).

«The Legend» heißt die umfangreiche, opulent aufgemachte CD-Box, die soeben erschienen ist. Auf 4 CDs mit insgesamt 104 Songs, von denen sieben bislang unveröffentlicht waren, kann man den einzigartigen Werdegang des «Man in Black» höchst eindrucksvoll nachvollziehen. Lediglich die letzten Jahre mit Produzent Rick Rubin fehlen, da die Rechte bei einer anderen Plattenfirma liegen.

«The Legend» deckt die Zeit von 1955 bis 2002 ab, die vier CDs sind allerdings sinnvoll thematisch aufgeteilt. Der Schwerpunkt liegt auf den Columbia-Jahren und der frühen Zeit bei Sun. «Win, Place And Show» enthält 27 Hits von «I Walk The Line» über «Man In Black» bis zu «(Ghost) Riders In The Sky». Die zweite CD «Old Favorites And New» ist eine Kompilation quer durch alle Stile. 26 Interpretationen von Folk-, Blues- und Hillbilly-Songs bietet Nummer drei, «The Great American Songbook». Schließlich «Family and Friends», Cash zusammen mit Musikern wie Bob Dylan, der Carter Family, Elvis Costello, Willy Nelson oder Kris Kristofferson. «The Legend» beinhaltet neben den vier CDs ein umfangreiches Booklet mit vielen unveröffentlichten Fotos, einer Lebensskizze des Cash- Biografen Patrick Carr und eine ausführliche Discografie.

Rund 40 Alben hatte Cash seit 1955 vorgelegt, Live-Alben in brodelnden US- Gefängnissen, religiöse und Kinderplatten sowie Sprechalben zur US- Geschichte - ein ausuferndes Werk. Als einer der ganz wenigen Unabhängigen wurde Cash geliebt - in einer Szene voller Kommerz und Wiedererkennbarkeit. Gleichzeitig verscherzte er es sich bei seinen Auftritten allerdings auch nie mit seinen klassischen Country-Fans. Glaubwürdigkeit sprach dem Mann aus Amerikas Süden deshalb niemand ab.

Als Kind hatte Cash sich zerstochene Hände und Rückenschmerzen auf den elterlichen Baumwolläckern am Mississippi geholt. Als er später bekannt war, putschte der über 30-Jährige sich mit Amphetaminen und Barbituraten durch aufzehrende Tourneen. Drogen hatten noch nicht zum Star-Image gehört - schon gar nicht in der konservativen Country-Welt - da hatte Cash sie Ende der 60er nach fast tödlichen Sucht-Jahren schon hinter sich.

Regelmäßig setzte er persönlichen wie gesellschaftlichen Mythen harten Realismus entgegen. Seine Songs behandelten eher die Massaker an den Indianern und die Umweltzerstörung als die viel besungene Freiheit des Westens. Andererseits bezog er beispielsweise nie eindeutig gegen den Vietnamkrieg Stellung, wohl auch aus Rücksicht auf die traditionellen Country-Fans in den USA. Auch seine wechselnden Statements gehörten zu Cashs Markenzeichen. Mit dem Flower-Power-Protest der 68er hatte es Cash mit seinem knackigen Sound zwischen Country, Rockabilly und Blues nicht so sehr. Wechselwirkungen zwischen den Szenen gab es jedoch viele - zumal Cash stets Probleme hatte mit dem eher kaltherzigen Establishment im Country-Mekka Nashville. Nach seinem Comeback der 90er streckte er Nashville seinen ausgestreckten Mittelfinger entgegen - auf einer Anzeige im Branchenblatt «Billboard Magazine».

 
 
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