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Jamie Cullum: Neues Album zwischen Jazz und Pop


10.10.2005 10:10

Hamburg (dpa/APA) - Jamie Cullum ist so etwas wie der Jamie Oliver des Jazz: Britisch, jung und hip, entstaubt er mit der Energie eines Rocksängers und der Jugendlichkeit eines Mittzwanzigers die gediegen-steife Cocktailatmosphäre der Improvisationsmusik.


Jamie Cullum

Jamie Cullum steuert in seinem neuen Album «Catching Tales» in Richtung Pop.

Der Pianist und Sänger hat mit Gigs vor großem Rockfestival-Publikum und Verkaufszahlen, von denen so mancher Pop-Kollege nur träumen kann, breiten Publikumsschichten die Angst vor dem Jazz ausgetrieben. Auf seinem neuen Album «Catching Tales» ist derartig missionarischer Eifer nicht mehr notwendig: Jazz hat ausgedient, es lebe der unbekümmerte Pop.

Das kleine Energiebündel rühmt sich in den Presseunterlagen damit, bereits fünf Klaviere kaputtgespielt und zwölf weitere beschädigt zu haben. Als Teenager hat er lieber Kurt Cobain als John Coltrane gehört - «hätte ich in der Schule gesagt, dass ich Jazz höre, wäre ich soundso vermutlich zusammengeschlagen worden», so Cullum einmal in einem APA-Interview.

Noch beeindruckender als die Zahl der demolierten Pianos sind jedoch die Verkaufszahlen: 2,5 Mio. mal ging das Vorgänger-Album «Twentysomething» über den Ladentisch und brachte eine headbangende, aufs Klavier steigende und dort herumhüpfende Note ins Jazz-Königreich. Auf dem neuen Album widmet sich Cullum mit der gleichen Energie derjenigen Spielart des Geschichten erzählenden Pop mit Reife, aber ohne Gesetztheit, bei dem man wohlwollend merkt, dass der Komponist schon einmal ein Instrument aus der Nähe gesehen hat.

Und Cullum hat auch um einige Original-Kompositionen mehr vorzuweisen als auf «Twentysomething», wo die Cover-Versionen zumeist spannender waren als die Cullum-Songs. Diesmal dominieren handwerklich gut gemachte, stilistisch weit verzweigte Pop-Songs mit ein paar gut hineinverwobenen Instrumental-Teilen, und dazu witzige, sehr heutige Texte. Ein paar synthetische Sounds mischen sich in die Handarbeit, u. a. hat Cullum mit dem «Gorillaz»-DJ Dan The Automator zusammengearbeitet.

«Es war ein großer Sprung und eine Entwicklung in vielerlei Hinsicht», so das «21st Century Kid» Cullum in den Pressenotizen zu dem Album, dessen Originalkompositionen er in nur vier Monaten geschrieben hat. «Es gibt eine besseres Bild davon, was ich bin und was ich als Musiker sein will». Jazz ist die «beste Plattform um das zu tun, was auch immer man will man will». Und was Cullum will, kann sich durchaus hören lassen.

 
 
Links zum Thema
Künstler-Informationen zu "Jamie Cullum"
Künstler-Informationen zu "Jazz"